Hongkonger Erbschleicher: "Verführerischer Scharlatan"

Streit in Hongkong: Der Fall Tony Chan Fotos
REUTERS

Tony Chan war Feng-Shui-Lehrer und Geliebter der reichsten Frau Asiens. Als sie starb, fälschte der 53-Jährige ihr Testament - er wollte sich zum Alleinerben des Milliarden-Vermögens machen. Nun wurde er zu einer langen Haftstrafe verurteilt.

Hongkong - Nach der Aufdeckung eines spektakulären Erbschaftsbetrugs hat ein Gericht in Hongkong den früheren Feng-Shui-Berater Tony Chan zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Der 53-Jährige habe nach dem Tod seiner zeitweiligen Gebliebten, der Multimilliardärin Nina Wang, ein "schamloses und boshaftes" Verhalten an den Tag gelegt, urteilte das Gericht.

Nach Wangs Krebstod im April 2007 hatte Tony Chan ein gefälschtes Testament vorgelegt. "Die Fälschung eines letzten Willens ist besonders böse und heimtückisch", urteilte Richter Andrew Macrae. "Sie sind zweifellos ein schlauer und zweifellos auch ein verführerischer Scharlatan", sagte der Richter. Er warf Chan vor, keinerlei Reue zu zeigen und den Betrug "extrem gut geplant" zu haben.

Chan vergrub sein Gesicht in den Händen, als das Urteil verlesen wurde. Als er die Anklagebank verließ, lächelte er. Chans Verteidiger Andrew Kan ließ offen, ob er Berufung einlegen wird.

Die Verteidigung hatte geltend gemacht, Milliardärin Wang habe Chan geliebt und versprochen, ihm alles zu vermachen. Im Prozess führten sie ein privates Video vor, das die beiden in inniger Umarmung zeigt.

In dem Testament war Chan zum Alleinerben der exzentrischen Milliardärin erklärt worden. Um den Nachlass - je nach Schätzung zwischen vier und 13 Milliarden US-Dollar - entwickelte sich ein Streit zwischen ihm und der wohltätigen Chinachem-Stiftung. Im Februar 2010 entschied ein Gericht: Das von Chan vorgelegte Testament ist eine Fälschung. Das Erbe wurde der Stiftung zuerkannt. Nur einen Tag später durchsuchten Ermittler Chans Luxuswohnung und nahmen ihn fest.

Chan hatte sich vom Barkeeper zum Feng-Shui-Berater für wohlhabende Klienten gewandelt. In Wangs Diensten verdiente er umgerechnet fast 300 Millionen Euro. Anfang des Jahres trat Chan einem Zeitungsbericht zufolge zum Christentum über und verurteilte Feng Shui als Teufelswerk. Als Zeichen seines Sinneswandels habe sich Tony Chan in Peter umbenannt, schrieb die "China Morning Post" im März. Aufgrund seines neuen Glaubens habe er keine Angst vor einer Gefängnisstrafe, wurde Chan zitiert.

Der spektakuläre Erbschaftsstreit hatte die Öffentlichkeit in der chinesischen Sonderverwaltungszone jahrelang beschäftigt - auch, weil Nina Wang selbst eine schillernde Person war. Sie hatte gemeinsam mit ihrem Ehemann Teddy das Firmenimperium Chinachem mit Hunderten Unternehmen und Immobilien aufgebaut. Ihr Ehemann wurde 1990 entführt und neun Jahre später für tot erklärt. Seine Frau setzte in einem langwierigen Verfahren ihre Besitzansprüche auf sein Erbe durch. Seither galt sie als die reichste Frau Asiens. Ihr 96-jähriger Schwiegervater behauptete, sie habe das Testament ihres Mannes gefälscht.

hut/AFP

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