"Arbeit macht frei"-Schriftzug Erste Hinweise nach Tor-Diebstahl in KZ-Gedenkstätte

Nach dem Diebstahl der historischen Eingangstür zum ehemaligen Konzentrationslager Dachau ist die Empörung groß. Die Polizei geht ersten Hinweisen nach - hat aber noch keinen konkreten Verdacht.

Eingangstor zur Gedenkstätte Dachau (Archivbild): Tür mit Schriftzug verschwunden
AFP

Eingangstor zur Gedenkstätte Dachau (Archivbild): Tür mit Schriftzug verschwunden


Dachau - Im Konzentrationslager Dachau bei München inhaftierten die Nationalsozialisten bis 1945 mehr als 200.000 Menschen. Zehntausende von ihnen starben durch Arbeit, Unterernährung, medizinische Experimente, Folter und Gewalt.

In der Nacht zum Sonntag stahlen nun Unbekannte in der KZ-Gedenkstätte Dachau eine schmiedeeisernes Tor mit der Aufschrift "Arbeit macht frei". Der Schriftzug ist eine 1965 entstandene Rekonstruktion der zynischen Nazi-Parole, das Tor ein Original aus dem Jahr 1936.

Jetzt berichtet die Polizei von ersten Hinweisen auf mögliche Täter - eine konkrete Spur gebe es jedoch noch nicht. Man prüfe einen möglichen Neonazi-Hintergrund, ermittle aber in alle Richtungen, sagte der Leiter der Polizeiinspektion Dachau, Thomas Rauscher.

"Krank oder bösartig"

Der Diebstahl hatte große Bestürzung ausgelöst. "Diese Schändung ist grässlich und schockierend", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, der "Bild"-Zeitung. "Wer so etwas macht, ist entweder krank oder bösartig. Wahrscheinlich beides."

Ähnlich äußerte sich der Leiter der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, Piotr Cywinski: "Das ist ein Angriff auf ein Symbol, ein Angriff auf das Erinnern." Vor fünf Jahren hatten polnische Diebe im Auftrag schwedischer Neonazis aus der Gedenkstätte Auschwitz ebenfalls den Schriftzug "Arbeit macht frei" gestohlen. Er konnte aber innerhalb weniger Tage sichergestellt werden; die Täter wurden gefasst und verurteilt.

Auch Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) zeigte sich empört über den Fall Dachau: "Die Schwere des Anschlags ist einmalig." Spaenle erklärte, womöglich müsse das Sicherheitskonzept für die Überwachung der Gedenkstätte überdacht werden. Bisher wird dort auf eine permanente Überwachung mit Videokameras verzichtet.

Erhebliche kriminelle Energie

Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, wertete den Diebstahl als Verhöhnung der NS-Opfer. Rose verwies in einer Erklärung des Verbands auf die im nächsten Jahr bevorstehenden Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers. Vor diesem Hintergrund mute der Diebstahl wie eine demonstrative Aktion aus rechtsextremen Kreisen an. "Das passt zu dem immer aggressiver werdenden Auftreten dieser Gruppen", erklärte Rose.

Die Leiterin der Gedenkstätte, Gabriele Hammermann, erklärte, die Diebe hätten den Erinnerungsort "im Mark" getroffen. Es handle sich um den "schwersten Angriff" auf die historischen Teile der Gedenkstätte, die Täter seien "mit einer erheblichen kriminellen Energie vorgegangen".

Hammermann beklagt, dass auch Besucher es zunehmend an Respekt für die Einrichtung mangeln ließen. Die Gedenkstätte habe zudem Probleme mit Souvenir-Jägern, die sich "Dinge unter den Nagel reißen".

Hammermann hofft, dass die Polizei das Tor wieder findet. Sollte dies gelingen, möchte sie es im Rahmen einer offiziellen Veranstaltung wieder einbauen lassen - dann soll auch über den zukünftigen Umgang mit dem historischen Erbe in Dachau diskutiert werden.

ala/AFP



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