Wagen rast in Menschenmenge Polizei in Toronto geht von vorsätzlicher Tat aus

Im kanadischen Toronto hat ein Mann seinen Wagen auf einen Gehweg gesteuert, mindestens zehn Menschen starben. Die Polizei geht nicht von einem Unfall aus - und veröffentlicht erste Details zum mutmaßlichen Täter.

Nathan Denette/The Canadian Press via AP

Der Lieferwagenfahrer in Toronto hat sein Fahrzeug vorsätzlich in eine Menschenmenge gesteuert. Das sagte Polizeichef Mark Saunders in der Nacht zu Dienstag. Laut dem Minister für öffentliche Sicherheit, Ralph Goodale, sei "die nationale Sicherheit" Kanadas durch die Tat aber nicht bedroht. Er deutete damit an, dass es sich um einen Einzelfall handelte.

Der Täter war am Montagnachmittag (Ortszeit) mit einem weißen Transporter in eine Menschenmenge gefahren. Mit 60 bis 70 Stundenkilometern erfasste er Fußgänger, als er von der Straße auf den Bürgersteig fuhr und über rund 15 Straßenblocks hinweg immer wieder zwischen Straße und Gehweg wechselte. Der Wagen kam mit demolierter Motorhaube auf dem Gehweg zum Stehen, ehe die Polizei ihn umstellte.

Bei dem Vorfall starben aktuellen Angaben zufolge mindestens zehn Menschen. 15 weitere Personen wurden verletzt, wie Polizeichef Saunders sagte, vier davon befinden sich demnach in kritischem Zustand. Zuvor war von neun Toten und 16 Verletzten die Rede gewesen.

Video aus Toronto: Auto rast in Menschenmenge

Der Fahrer des gemieteten Lieferwagens wurde festgenommen, er ist inzwischen identifiziert: Es handelt sich laut dem Polizeichef um Alek M., einen 25 Jahre alten Mann aus dem Norden Torontos. Er sei der Polizei zuvor nicht aufgefallen. Zu seinem Motiv machte Saunders keine Angaben. Es werde in alle Richtungen ermittelt.

Im Video eines Augenzeugen ist zu sehen, wie der Fahrer mit einem Gegenstand in Richtung eines Polizisten zeigt und dabei "Töte mich!" sowie "Schieß' mir in den Kopf!" ruft. Schüsse fielen vor seiner Festnahme aber nicht. Laut Saunders hatte der Mann keine Schusswaffe bei sich.

Der Sender CBC meldete unter Berufung auf Regierungskreise, der Mann werde mit keiner organisierten militanten Gruppe in Verbindung gebracht. Zuvor hatte es in US-Sicherheitskreisen geheißen, ein terroristischer Hintergrund sei sehr wahrscheinlich.

Unmittelbar nach der Tat hatte die Polizei die Gegend abgesperrt, auch der U-Bahnverkehr wurde unterbrochen.

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Heiko Maas sprich von "schrecklichem Verbrechen"

"Unsere Herzen sind bei denen, die betroffen sind", sagte Premierminister Justin Trudeau im kanadischen Sender CTV News. Die Hintergründe der Tat seien noch unklar, man müsse abwarten, was die Ermittlungen ergeben.

Torontos Bürgermeister John Tory sprach den Bürgern Mut zu. "Die Stadt ist momentan in sicheren Händen", sagte er und bat Anwohner, nach Hause zu gehen und Ruhe zu bewahren. "Es ist eine Zeit, in der wir so ruhig wie nur möglich sein sollten."

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In Toronto ging am Montag ein G7-Außenministertreffen zu Ende. Der Tagungsort lag etwa 30 Kilometer von dem Ort des Geschehens entfernt. Bundesaußenminister Heiko Maas verließ die Stadt und flog nach New York, ehe der Vorfall bekannt wurde. "Schreckliches Verbrechen in Toronto - der Stadt, die uns ein so offenherziger Gastgeber war", twitterte er. "Wir sind tief getroffen und stehen an der Seite unserer kanadischen Freunde."

aar/dpa/AFP

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