Erstochener Flüchtling in Dresden Polizei räumt Fehleinschätzung ein

Der Flüchtling Khaled B. wurde in Dresden mit mehreren Messerstichen getötet. Die ersten Polizisten vor Ort erkannten jedoch keine Fremdeinwirkung. Im Innenausschuss des Landtags wurden nun Details zur Fehleinschätzung bekannt gegeben.

Polizeifahrzeug in Dresden: Rätselhafter Tod eines Flüchtlings
DPA

Polizeifahrzeug in Dresden: Rätselhafter Tod eines Flüchtlings

Von Steffen Winter


Dresden - Die Dresdner Polizei hat im Fall des getöteten Asylbewerbers aus Eritrea Fehler eingeräumt. Im Innenausschuss des Landtags erklärten die Ermittler, warum sie Fremdeinwirkung beim Tod von Khaled B. zunächst ausgeschlossen hatten. Die ersten Beamten vor Ort seien von einem Sturz ausgegangen. Das Blut an Hals und Schulter hätten sie auf einen offenen Schlüsselbeinbruch zurückgeführt.

Dies sei auch die Diagnose des Arztes bei der Leichenschau gewesen. Erst bei der Obduktion seien die Stichkanäle entdeckt worden. Laut Staatsanwaltschaft wurde der 20-Jährige mit mehreren Stichen in Brust und Hals getötet.

Die Fehleinschätzung hatte auch Folgen für die Spurensicherung. Diese wurde nach der Obduktion erneut aufgenommen. Zu dem Zeitpunkt waren aber bereits zahlreiche Mieter, Schaulustige und Journalisten über den Fundort der Leiche gelaufen.

Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck erstattete Anzeige gegen unbekannt wegen möglicher Strafvereitelung im Amt. "Erst nach der Obduktion des Opfers räumt die Polizei ein Fremdverschulden ein und schickt erst 30 Stunden nach der Tat die Spurensicherung an den vermeintlichen Tatort. Dies wirkt dilettantisch", sagte Beck zu "Mopo24".

Khaled D. war am Dienstagmorgen tot vor seinem Wohnhaus in einer Plattenbausiedlung im Stadtteil Leubnitz-Neuostra gefunden worden. Dort lebte er zusammen mit sieben anderen Eritreern in einer Vierzimmerwohnung. Die Hintergründe der Tat sind noch völlig unklar.

Die Arbeiterwohlfahrt Sachsen, deren Sozialarbeiter die Eritreer betreut, berichtete nun von Hakenkreuzen im Hausaufgang der Wohnung. Zudem sei mehrfach gegen die Tür der Flüchtlingswohnung getreten worden. Inzwischen wurde das Operative Abwehrzentrum der Polizei zu dem Fall hinzugezogen. Dieses wurde speziell zur Bekämpfung von Rechtsextremismus geschaffen und hat seinen Sitz in Leipzig.

Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz warnte vor Mutmaßungen. "Ich glaube, dass diese Tat an einem Asylbewerber aus Eritrea, der in unserer Stadt gelebt hat, viele Fragen aufwirft", sagte die CDU-Politikerin. Sie habe aber Vertrauen, dass Polizei und Staatsanwaltschaft die Fragen schnell klären könnten.

Mit Material der dpa



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