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Toter Professor: Der Held von Norris Hall

Er stellte sich dem Amokläufer in den Weg, rettete damit zahlreiche Studenten - und verlor sein Leben. Der israelische Professor Liviu Librescu, 75, ist einer der Toten von Blacksburg. In E-Mails an seine Familie würdigten Studenten den Mut des renommierten Hochschullehrers.

Blacksburg - Librescus Sohn erzählte dem israelischen Armee-Radio, sein Vater habe noch versucht, den Seminarraum abzuschließen, als der Amokläufer auftauchte. Als dies nicht gelang, habe er seine Studenten zur Flucht gedrängt. Der Amokläufer habe Librescu daraufhin erschossen.

Internetseite Librescus: Von ganzem Herzen Dozent

Internetseite Librescus: Von ganzem Herzen Dozent

Die Ehefrau des Ermordeten, Marlena Librescu, sagte der Online-Redaktion NRG der israelischen Tageszeitung "Ma'ariv", dass zahlreiche Studenten ihres Mannes ihr in E-Mails geschildert hätten, wie der Wissenschaftler sich dem Todesschützen in den Weg gestellt und so die Leben seiner Schüler gerettet habe.

"Ich habe meinen besten Freund verloren. Er war ein wahrhaftiger und wunderbarer Mensch, der von ganzem Herzen und aus tiefster Seele Dozent war", sagte die Witwe. "Am Vormittag kam eine Frau und erzählte mir, dass Liviu verletzt sei." Sie habe ihn jedoch in keinem der zahlreichen Krankenhäuser, die sie daraufhin abgefahren habe, finden können. Erst durch die Nachrichten der Studenten habe sie erfahren, was ihrem Mann zugestoßen sei.

"Wenn mein Vater die Art seines Todes hätte wählen können, dann hätte er sich dafür entschieden, im Seminarraum zu sterben", sagte Arieh Librescu, einer der beiden Söhne des getöteten Wissenschaftlers, dem Internet-Dienst NRG. "Sein ganzes Leben war der Forschung und der Lehre gewidmet. Er hat immer gesagt, dass er bis zu seinem Ende unterrichten will."

Das jüdische Ehepaar hatte während des Zweiten Weltkriegs in dem mit Nazi-Deutschland verbündeten Rumänien gelebt. 1978 waren die Librescus nach Israel ausgewandert, 1986 dann nach Virginia gezogen. Librescu galt als Koryphäe auf dem Gebiet des Flugzeug- und Schiffsbaus. Der Professor wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und war seit 2000 Mitglied der ukrainischen Akademie der Schiffsbauwissenschaften.

Ein zweiter Professor wurde ebenfalls erschossen: Kevin Granata war Experte für orthopädische Forschung, ehe er an die Virginia Tech kam. Dort brachte er den Studenten die mechanischen Grundlagen von Muskelreflexen und Robotertechnik bei. Granata habe zu den fünf führenden Biomechanikern der USA gehört, erklärte der Dekan des Fachbereichs Ingenieurswissenschaften, Ishwar Puri.

jdl/AP

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