Totes Baby Gericht verwarnt Eltern wegen fahrlässiger Tötung

Ein Elternpaar ist vom Amtsgericht Nordhausen verwarnt worden, weil es mit seinem an Durchfall erkrankten Kind nicht zum Arzt gegangen war. Mit der Weigerung hätten sie sich der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht. Das Baby war wenige Tage später gestorben.


Nordhausen - Sie seien mit dem Verlust ihres Kindes "gestraft genug", begründete Richterin Dagmar Desch das milde Urteil. Sie folgte damit den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Die Eltern, die inzwischen ein weiteres Kind im Alter von 14 Monaten haben, räumten im Prozess ein, sie hätten die Krankheit unterschätzt. Das Urteil ist rechtskräftig.

"Ich habe falsch gehandelt, ich hätte zum Arzt gehen müssen", sagte die 28 Jahre alte Mutter, die traumatisiert ist und mehrmals in Tränen ausbrach. Die Familie hatte im Dezember 2004 mit ihrem wenige Wochen alten Kind den Arzt aufgesucht und war danach über die Weihnachtstage zur Großmutter gefahren.

Dort verschlechterte sich der Zustand des Säuglings. Die deutlichen Zeichen der Austrocknung und der greisenhafte Blick hätte den Eltern als Warnsignal auffallen müssen, sagte die Richterin. "Wir haben gehofft, dass wir es irgendwie hinkriegen", sagte der 33 Jahre alte Vater. Das Kind starb an Neujahr 2005. Nach Ansicht der Anklage hätte es bei rechtzeitiger Behandlung gerettet werden können.

jjc/dpa



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