Urteil in Bayern Mann muss wegen Anstiftung zum Kindesmissbrauch über Webcam in Haft

Übers Netz dirigierte er die Übergriffe auf den Philippinen: Das Landgericht Traunstein hat einen Mann wegen Anstiftung zum sexuellen Missbrauch von Kindern zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Der Angeklagte mit seinem Verteidiger
DPA

Der Angeklagte mit seinem Verteidiger


Ein bayerisches Gericht hat einen Mann wegen Anstiftung zum sexuellen Missbrauch von philippinischen Kindern via Internet schuldig gesprochen. Der Mann muss laut dem Urteil für fünfeinhalb Jahre in Haft. Der 48-Jährige aus dem Landkreis Altötting hatte über mehr als zwei Jahre von Hause aus mit einer Philippinin gechattet und dabei Anweisungen für den Missbrauch ihrer kleinen Kinder gegeben.

Das Landgericht in Traunstein sprach ihn auch wegen Besitzes kinderpornografischer Bilder und Videos schuldig, die Ermittler auf seinem Rechner entdeckt hatten. Die Kammer blieb laut "Passauer Neuer Presse" aber unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die sechseinhalb Jahre Gefängnis verlangt habe. Das Geständnis habe sich strafmildernd ausgewirkt, denn ohne seine Aussage, sei die Beweislage dünner gewesen, hieß es.

Neue Form des Missbrauchs

Der Mann hatte die Taten im Prozess eingeräumt. Er bedaure zutiefst, dass er sich dazu habe hinreißen lassen, ließ der einschlägig vorbestrafte Mann über seinen Anwalt erklären. Er war im Sommer 2017 in Untersuchungshaft genommen worden. Die Staatsanwaltschaft Traunstein und das Bundeskriminalamt schrieben damals vom "noch neuen Modus Operandi des Webcam Child Sex Tourism (WCST)". Es ist einer der ersten Prozesse zu dieser Art von Kinderpornografie und sexuellen Missbrauch in Deutschland.

Die Kinder mussten den Ermittlungen zufolge vor der Webcam posieren und sexuelle Praktiken nach den Wünschen des Verurteilten ausführen. Dieser soll für die Dienste über die Jahre mehr als 3000 Euro an die Mutter gesandt haben - insgesamt sollen gut 10.000 Euro geflossen sein. Richter Jürgen Zenkel sprach von einem System von "Leistung direkt ins Haus".

Zu Beginn der virtuellen Treffen waren die Kinder der Frau vier bis acht Jahre alt. Die Kleinste sei aber nicht involviert gewesen, sagte der Mann. Auch seien die von ihm gewünschten Handlungen vielfach nur angedeutet gewesen.

Die Verteidigung hatte eine Strafe von vier Jahren und acht Monaten für ausreichend gehalten - Haupttäterin in dem Fall sei die Mutter. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

apr/dpa

Mehr zum Thema


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.