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06. Juli 2012, 06:33 Uhr

Fall Trayvon Martin

Eine Million Dollar Kaution für Todesschützen Zimmerman

Ein Richter in Florida hat für den mutmaßlichen Mörder des Teenagers Trayvon Martin eine Kaution von einer Million Dollar festgesetzt. Eine niedrigere Kaution für George Zimmerman war aufgehoben worden, weil der Angeklagte über seine Finanzen falsche Angaben gemacht hatte.

Orlando - Der mutmaßliche Todesschütze des US-Teenagers Trayvon Martin darf gegen eine Kaution von einer Million Dollar bis zu seinem Prozess wieder auf freien Fuß. Ein Richter im Bundesstaat Florida setzte die Summe laut einem Urteil von Donnerstag fest. Zimmerman muss von der Kaution zehn Prozent hinterlegen. Der Angeklagte habe die Möglichkeiten, diese Summe aufzubringen, hieß es in Gerichtsdokumenten.

Zunächst war unklar, wie lange der 28-Jährige brauchen würden, um die geforderten 100.000 Dollar zu entrichten. Zimmermans Anwalt sagte, weder sein Mandant noch dessen Familie verfügten über entsprechende finanzielle Mittel. Er rief Unterstützer zu Spenden auf.

Zimmerman ist geständig, den unbewaffneten Martin bei einer Sicherheitspatrouille im Februar aus Notwehr erschossen zu haben, und wegen Mordes angeklagt. Die Todesschüsse auf den 17-jährigen schwarzen Jugendlichen hatten in den USA eine Debatte über Rassismus und Waffenrecht ausgelöst. Selbst Präsident Barack Obama hatte sich eingeschaltet.

Zimmerman war bereits im April gegen Zahlung von 150.000 Dollar auf freien Fuß gekommen. Im Juni hob Richter Kenneth Lester diese Freilassung gegen Kaution auf und ordnete an, dass Zimmerman sich innerhalb von 48 Stunden stellen müsse. Zur Begründung hieß es, Zimmerman und seine Frau hätten bei der ursprünglichen Festlegung der Kaution falsche Angaben über ihre finanziellen Mittel gemacht. "Der Angeklagte hat versucht, das System zu manipulieren", schrieb Richter Kenneth Lester.

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hatte Zimmerman über eine Website bis zu diesem Zeitpunkt 135.000 Dollar für seine Verteidigung gesammelt. Dieses Geld erwähnten er und seine Frau bei der ersten Kautionsanhörung nicht.

Richter Lester sagte am Donnerstag, Zimmermans Vorgehen lasse die Möglichkeit offen, dass er seine Flucht vorbereitet habe. Auf jeden Fall habe der Angeklagte das System missbraucht. Er gewähre ihm dennoch Kaution, da er keine Gefahr für die Öffentlichkeit darstelle und die Gesetze in Florida dies dann vorsähen.

Zugleich ordnete der Richter eine elektronische Überwachung Zimmermans sowie Hausarrest zwischen 18 und 6 Uhr an. Darüber hinaus darf er kein Konto eröffnen und keinen Reisepass beantragen.

ulz/dapd/dpa

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