Fall Trayvon Martin Auktionsplattform beendet Waffenversteigerung

"Der Gegenstand ist nicht mehr im System": George Zimmerman wollte die Pistole versteigern, mit der er den schwarzen Teenager Trayvon Martin erschossen hatte. Nun ist sein erster Versuch gescheitert.

George Zimmerman (2013)
AP

George Zimmerman (2013)


"Das ist ein Stück amerikanischer Geschichte" - mit diesem Spruch versucht der frühere US-Nachbarschaftswächter George Zimmerman, die Waffe zu verkaufen, mit der er vor vier Jahren einen unbewaffneten schwarzen Teenager erschoss. Der 32-Jährige bot die Pistole am Donnerstag auf einer Auktionsseite an.

Dies sei die Schusswaffe, "die dafür verwendet wurde, mein Leben zu verteidigen und den brutalen Angriff von Trayvon Martin zu beenden", beschrieb Zimmerman die Pistole. Den Ausgangspreis für die Waffe des Herstellers Kel-Tec setzte Zimmermann bei 5000 Dollar an, umgerechnet 4400 Euro.

Zimmerman wollte sie zuerst auf der Auktionsseite GunBroker.com verkaufen. Das Angebot wurde aber nach nur wenigen Stunden wieder entfernt. "Der Gegenstand ist nicht mehr im System", hieß es. Es war nicht Zimmerman selbst, der die Waffe von dieser Seite nahm, sondern deren Betreiber.

Diese erklärten in einem schriftlichen Statement, Zimmerman habe sie weder vor noch nach seinem Angebot auf der Website kontaktiert. Niemand bei GunBroker.com stehe "in irgendeiner Beziehung" zu Zimmerman. Der sagte der Zeitung "Orlando Sentinel", GunBroker.com sei nicht auf den Wirbel vorbereitet gewesen, den sein Verkaufsangebot auslösen würde.

Zimmerman hatte angekündigt, den Verkaufserlös für den Kampf gegen die nach seiner Darstellung von der Aktivistenbewegung Black Lives Matter ausgehende Gewalt gegen Polizisten zu verwenden. Auch wolle er sicherstellen, dass Hillary Clintons Anti-Waffen-Rhetorik untergehe.

Die Trayvon-Martin-Stiftung erklärte zu dem Verkauf lediglich, man wolle zu dieser Person keine Stellungnahme abgeben.

Weitere Morddrohungen

Zuvor hatte Zimmermann einem lokalen Ableger des Senders Fox gesagt, er habe durch die Ankündigung des Waffenverkaufs weitere Morddrohungen bekommen. "Ich habe beschlossen, mich nicht wegzuducken", sagte Zimmerman. "Ich bin ein freier Amerikaner. Mit meinem Besitz kann ich machen, was ich will."

Zimmerman hatte den 17-jährigen Martin im Februar 2012 im US-Bundesstaat Florida erschossen. Die Polizei ließ ihn zunächst laufen. Dabei berief sie sich auf ein Gesetz, das Bürgern in Florida ein weitgehendes Selbstverteidigungsrecht einräumt. Zimmerman hatte gesagt, dass Martin ihn zuerst attackiert habe. Außerdem bestritt er vehement, den Jugendlichen wegen seiner Hautfarbe ins Visier genommen zu haben.

Immer wieder Kontakt mit der Polizei

Erst nach einer Protestwelle wurde Zimmerman des schweren Totschlags angeklagt. Die Geschworenen sprachen ihn aber im Juli 2013 wegen Notwehr frei. Der Fall löste in den USA eine Rassismusdebatte aus, das Urteil wurde landesweit kritisiert.

In den vergangenen Jahren hatte Zimmerman wiederholt mit der Polizei zu tun. So warf ihm im vergangenen Jahr eine Ex-Freundin vor, sie tätlich angegriffen zu haben; sie zog die Anschuldigungen später aber zurück.

Im September 2014 war Zimmerman in eine Streiterei im Straßenverkehr verwickelt, bei der sein Kontrahent auf ihn schoss und ihn leicht verletzte. Zimmerman wurde wegen des Vorfalls kurzzeitig festgenommen, weil sein Widersacher anführte, Zimmerman habe ihn bedroht. Er kam aber wieder frei, nachdem der andere Mann auf eine Anzeige verzichtete.

Vor drei Jahren wiederum beschuldigte ihn seine damalige Frau, er habe sie mit einer Schusswaffe bedroht. Aber auch sie verzichtete auf eine Strafanzeige.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieser Meldung hieß es, George Zimmermann habe sein Angebot auf der Auktionshomepage selbst zurückgezogen. Es war allerdings der Betreiber. Wir haben den Fehler korrigiert.

brt/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.