Trotz Hausarrests NS-Kriegsverbrecher darf einkaufen gehen

"Nationale Schande": Jüdische Organisationen empören sich über das Urteil eines italienischen Gerichts. Demnach darf der eigentlich unter Arrest stehende NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke sein Haus verlassen.


Rom - Der verurteilte frühere SS-Hauptsturmführer Erich Priebke darf zum Einkaufen oder für den Kirchgang sein Haus verlassen. Jüdische Gruppen zeigten sich am Mittwoch empört über die entsprechende Gerichtsentscheidung, die bereits im vergangenen Jahr getroffen, von seinen Anwälten in Italien aber erst in dieser Woche öffentlich gemacht wurde. Ein Sprecher einer Organisation von Holocaust-Überlebenden erklärte in einer E-Mail, die Entscheidung sei eine "nationale Schande".

Der heute 97-jährige Priebke war am 24. März 1944 in der Nähe von Rom an der Erschießung von 335 italienischen Zivilisten beteiligt. Das Massaker in den Ardeatinischen Höhlen war eine der blutigsten Gräueltaten der deutschen Wehrmacht in Italien. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich Priebke in Argentinien versteckt, 1995 wurde er nach Italien ausgeliefert und 1997 wegen Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt. Wegen seines hohen Alters steht er unter Hausarrest.

jdl/dapd

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