Intensivstraftäter und Buchautor "Mehmet" hat erneut Ärger mit der Justiz

Der ehemalige Serienstraftäter "Mehmet" ist erneut wegen Raubes und Freiheitsberaubung verurteilt worden. Ein Gericht in der Türkei verhängte in erster Instanz eine Strafe von mehr als zehn Jahren Gefängnis. Das Verfahren wirft allerdings Fragen auf.

Ex-Serienstraftäter Ari: Von einem türkischen Gericht verurteilt
Hasnain Kazim

Ex-Serienstraftäter Ari: Von einem türkischen Gericht verurteilt


Hamburg - Muhlis Ari, der Ende der neunziger Jahre in Deutschland als Serienstraftäter "Mehmet" bekannt wurde, droht in der Türkei eine Gefängnisstrafe. Anwalt Burkhard Benecken bestätigte im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE einen entsprechenden Bericht der "Bild"-Zeitung: Ari sei wegen schweren Raubes und Freiheitsberaubung von einem Gericht in Antalya im Oktober 2013 in erster Instanz zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

Für elfeinhalb Jahre soll er demnach ins Gefängnis, trotzdem befindet er sich derzeit auf freiem Fuß und wird Berufung einlegen. Ein Türkei-Reisender aus München wirft ihm vor, ihn im August 2012 in den Bergen bei Antalya überfallen und ausgeraubt zu haben. "Eine Uhr und eine Halskette im Wert von mehreren zehntausend Euro sollen dabei gestohlen worden sein", sagt Benecken.

Der Fall ist auch deshalb brisant, weil Ari im Herbst ein autobiografisches Buch veröffentlichte. In "Sie nannten mich Mehmet. Geschichte eines Ghettokindes" berichtete er von seiner kriminellen Vergangenheit. In einem Interview gab er an, aus der Vergangenheit gelernt zu haben und nun zu planen, eine Organisation zur Prävention von Gewalt bei Jugendlichen zu gründen. Hierzulande gilt noch immer ein Haftbefehl gegen "Mehmet": Würde er nach Deutschland einreisen, müsste er für 18 Monate ins Gefängnis.

"Dubioser Prozess"

Der Hergang der nun bekannt gewordenen angeblichen Straftat, bei der das Gericht in Antalya "in einer zweiminütigen Verhandlung" (Benecken) zu einem Urteil kam, ist jedoch äußerst zweifelhaft: Laut Angaben des 63-jährigen Münchners, der nicht vor Gericht auftrat, sondern lediglich im August 2012 Anzeige erstattete, habe Ari zusammen mit einem Komplizen den Raubüberfall begangen. Ari habe dabei keine aktive Rolle gehabt und sei ebenfalls geschlagen worden, was der Münchner aber als Inszenierung darstellte, um zu verschleiern, dass die Idee für das Verbrechen tatsächlich von Ari stammt. Der zweite Angeklagte wurde ebenfalls zu elf Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Der Deutsche und Ari kennen sich noch aus München, wo Ari bis zu seiner Abschiebung 1998 lebte. Laut Benecken sind die beiden auch Geschäftspartner gewesen, aus Dokumenten gehe hervor, dass Ari dem Deutschen mehrere tausend Euro schuldete.

Bennecken bezeichnet sowohl die Vorwürfe als auch das erstinstanzliche Verfahren gegen Ari als "sehr dubios": "Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist ein Freispruch in der nächsten Instanz zu erwarten", sagt er.

sto

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