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Reaktionen zum Tod von Tugce Albayrak: "Ein mutiges türkisches Mädchen"

Die türkischen Medien verfolgen die Trauer um die Studentin Tugce Albayrak aufmerksam. "Die deutsche Öffentlichkeit ist schockiert", schreibt die staatliche Nachrichtenagentur. Tugces Onkel kritisiert die Familie des mutmaßlichen Täters.

Offenbach/Ankara - Deutschland nimmt Anteil am Tod von Tugce Albayrak. Bundespräsident Joachim Gauck hat den Eltern der verstorbenen Studentin sein Beileid ausgesprochen. "Niemand kann den Schmerz ermessen, den Sie, Ihre Familie und die Freundinnen und Freunde Ihrer Tochter jetzt erleiden", schrieb Gauck am Samstag in einem Kondolenzbrief. "Wo andere Menschen wegschauten, hat Tugce in beispielhafter Weise Mut und Zivilcourage bewiesen und stand den Opfern einer Gewalttat bei."

Mehr als hunderttausend Menschen haben in einer Online-Petition gefordert, Tugce postum das Bundesverdienstkreuz zu verleihen. Bundespräsident Gauck will eine Ehrung der Toten prüfen.

In der Türkei wird die Trauer um die türkischstämmige Studentin aufmerksam und wohlwollend registriert. "Ein mutiges türkisches Mädchen in Deutschland", titelt die Zeitung "Sabah" und schreibt über "einen Abschied wie für eine Heldin". Ihr Vater Ali sagte dem Blatt, seine Tochter sei eine Märtyrerin geworden, weil sie sich den Angreifern mutig in den Weg gestellt habe.

"Die deutsche Öffentlichkeit ist schockiert", schreibt die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. "Tausende Menschen in Deutschland sagen einer jungen türkischen Frau Danke", stellt die Zeitung "Hürriyet" fest.

"Mir tut der Junge auch leid"

Yasin A., ein Onkel der Toten, beklagt sich in dem Blatt, dass die Familie des mutmaßlichen Täters bislang keine Reue gezeigt habe. "Sie könnten wenigstens sagen: 'Euer Schmerz ist unser Schmerz'", sagte A. der "Hürriyet". "Mir tut der Junge auch leid. Aber ich glaube, sie haben kein Mitgefühl für unsere Tochter."

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Der Tod von Tugce Albayrak: Überwachungsvideo liefert neue Erkenntnisse

Tugce war eingeschritten, als zwei junge Frauen auf der Toilette eines Schnellrestaurants belästigt wurden. Diese Zivilcourage bezahlte sie mit dem Leben: Der mutmaßliche Täter folgte ihr auf den Parkplatz vor dem Lokal und schlug die junge Frau zu Boden.

Dabei erlitt sie ein Schädel-Hirn-Trauma und fiel ins Koma. Am vergangenen Mittwoch wurde Tugce für hirntot erklärt. Am Freitagabend, ihrem 23. Geburtstag, wurden die lebenserhaltenden Maschinen auf Wunsch der Eltern abgeschaltet.

Nach dem Tod haben die Ärzte mehrere Organe entnommen. Tugce Albayrak besaß einen Organspendeausweis - deshalb habe die Familie einer Entnahme für Transplantationen zugestimmt, hieß es.

Rund 1500 Menschen hatten sich vor dem Krankenhaus in Offenbach zu einer Mahnwache versammelt. Sie stellten Kerzen auf, ein Pianist spielte Tugces Lieblingslieder, Freunde ließen Luftballons mit Abschiedsworten aufsteigen. Am Sonntag werden zu einer Mahnwache auf dem Oranienplatz in Berlin mehr als 300 Menschen erwartet.

syd/dpa/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 244 Beiträge
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1. Fragen..
competa1 29.11.2014
..die 2 belästigten Mädchen sind bis heute nicht aufgetaucht.Ich befürchte,da werden noch Dinge zu Tage kommen,die nicht in das Bild passen,das man heute von der Angelegneheit hat.
2.
Zapallar 29.11.2014
Nach dem Urteilsspruch wird sich zeigen, was der deutschen Legislative und Judikative ein Menschenleben wert ist.
3.
divb0 29.11.2014
Es scheint wichtig zu sein, welchem Kulturkreis diese mutige Frau angehörte. Dann nennt bitte auch den kulutrellen Hingergrund des Täters.
4. Ein mutiges Mädchen ...
Konstrukt 29.11.2014
Ein mutiges Mädchen, modern, schick integriert, dessen Eltern aus der Türkei stammen.
5. Es ist nicht nur schockierend, es ist ein Schmerz bis in die Knochen!
megamekerer 29.11.2014
Ja, wir alle sind schockiert, Deutschen, Türken, Italiener, Griechen, ..... und viele andere Nationen die in Offenbach und Frankfurt leben, wir sind alle betroffen! Es ist nicht zu glauben, dass ein 18 jährige heimtüchich Racheaktion plant und die junge Frau in Abseits auflauert um ihr einen Schlag zu versetzen. Ich nennen solche Verhalten geplaten Mord aus Rache-gründe. Wir sagen immer wieder so was darf in Deutschland nie wieder geben, und es passiert immer wieder. Sicher wird sie nicht das letzte Opfer sein, aber die Gesellschaft soll jetzt zeigen dass der Täter keinen Platz mehr in diese Gesellschaft hat, eine Resozialisierung halte ich für ausgeschlossen, daher sollten wir unsere Strafrecht entsprechend anpassen.
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