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Tödliche Prügelattacke: Rapper Haftbefehl bestürzt über Tod von Tugce Albayrak

Gangsta-Rapper Haftbefehl: "Ich musste lange nachdenken, ob ich diese Musik so weitermachen kann" Zur Großansicht
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Gangsta-Rapper Haftbefehl: "Ich musste lange nachdenken, ob ich diese Musik so weitermachen kann"

In seinen Songs gibt sich der Gangsta-Rapper Haftbefehl unerschrocken. Doch der gewaltsame Tod von Tugce Albayrak hat den 28-Jährigen bestürzt. Er kannte ihre Familie, erzählt Haftbefehl im neuen SPIEGEL.

Hamburg - Der Tod der Offenbacher Studentin Tugce Albayrak hat den Gangsta-Rapper Aykut Anhan alias Haftbefehl, 28, in eine Krise gestürzt. Er kenne die Familie des Opfers, sagt Anhan im Interview mit dem SPIEGEL. (Lesen Sie das ganze Interview hier im neuen SPIEGEL.)

Der mutmaßliche Täter, offensichtlich ein Haftbefehl-Fan, soll kurz vor der Tat ein selbst gemachtes Foto des Rappers auf seine Facebook-Seite hochgeladen haben. "Ich musste lange nachdenken, ob ich diese Musik so weitermachen kann", sagt Haftbefehl. Am Freitag vergangener Woche ist "Russisch Roulette" erschienen, das neue Album des Künstlers.

Tugce Albayrak war vor einem Schnellrestaurant angegriffen worden, nachdem sie zwei Mädchen zu Hilfe gekommen war. Ein junger Mann schlug die junge Frau auf dem Parkplatz vor der McDonalds-Filiale zu Boden.

Dabei erlitt sie ein Schädel-Hirn-Trauma und fiel ins Koma. Am vergangenen Mittwoch wurde Tugce für hirntot erklärt. Am Freitagabend, ihrem 23. Geburtstag, wurden die lebenserhaltenden Maschinen auf Wunsch der Eltern abgeschaltet.

Gauck kondoliert der Familie

Nach dem Tod haben die Ärzte mehrere Organe entnommen. Tugce besaß einen Organspendeausweis - deshalb habe die Familie einer Entnahme für Transplantationen zugestimmt, hieß es.

Bundespräsident Joachim Gauck hat den Eltern der verstorbenen Studentin sein Beileid ausgesprochen. "Niemand kann den Schmerz ermessen, den Sie, Ihre Familie und die Freundinnen und Freunde Ihrer Tochter jetzt erleiden", schrieb Gauck in einem Kondolenzbrief.

In einer Online-Petition haben mittlerweile mehr als hunderttausend Menschen gefordert, Tugce postum das Bundesverdienstkreuz zu verleihen. Bundespräsident Gauck will eine Ehrung der Toten prüfen.

In der Türkei wird die Trauer um die türkischstämmige Studentin aufmerksam und wohlwollend registriert. "Ein mutiges türkisches Mädchen in Deutschland", titelt die Zeitung "Sabah" und schreibt über "einen Abschied wie für eine Heldin". Ihr Vater Ali sagte dem Blatt, seine Tochter sei eine Märtyrerin geworden, weil sie sich den Angreifern mutig in den Weg gestellt habe.

syd

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 41 Beiträge
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1. Vielleicht den Künstlernamen ändern!
Kezman9 30.11.2014
Mal auch versuchen ne andere Zielgruppe anzusprechen. Denn diese Halbstarken ziehen sich die z. T. schlechte Texte rein, ziehen ihre Bomberjacken an und denken dann in "Electro Ghetto". Reden sich dann ein, das sie nie Chance im Leben bekommen und das se im Ghetto leben. Die sollten nach Chicago, Detroit oder LA, die kommen dann geläutert zurück!
2. Und?
lottchenmv 30.11.2014
Zu welcher Entscheidung ist er gekommen? Ist er ernsthaft darüber bestürzt, dass seine Texte solche Fans ansprechen? Wie geht es jetzt weiter - ist das Geschäft doch zu lukrativ, um damit aufzuhören und das Klischee weiter zu bedienen? Oder denkt er tatsächlich um? Es würde mich mehr als überraschen.
3. Betroffenheit...Zivilcourage ist gut, aber...
Hessebubi 30.11.2014
Ich empfinde großes Mitleid mit der Familie von Tugce... so ein frischer, junger Mensch...und dann so ein Schicksal...es ist unermesslich schlimm. Ich fürchte nur, daß so etwas wieder passieren könnte, wenn es in unserer Gesellschaft nicht endlich gelingt, eine andere Kultur...ein anderes Verständnis den Mitmenschen gegenüber zu erreichen. Es kann doch nicht angehen, daß stadt- und polizei-bekannte Rüpel völlig unkontrolliert mitten unter uns ihr Unwesen treiben. Wo bleiben da unsere Erziehungsorgane... wo gibt es da bei uns eine Art Frühwarnsystem...das die Gesellschaft vor solchen Individuen schützt. Ich hoffe nur, daß unsere lasche Justiz solch einen Täter nun nicht wieder nach einer vermutlich kurzen Haft erneut auf die Menschheit los läßt. Wenn dann auch noch unser mildes Jugendstrafrecht angewendet wird, kommt der Täter womöglich nach kurzer Zeit wieder frei. Aber wie kann man solche Typen nur in den Griff bekommen? Ich bin da ziemlich ratlos... Zivilcourage ist gut und wichtig, aber bitte mit Augenmaß. All zu viel "Courage" kann eben auch tödlich enden... leider... arme Tugce...arme Eltern und Familie.
4. Krokodilstränen
Kaffee Wien 30.11.2014
Solche Leute wie dieser "Rapper", gewaltverherrlichende Kriminelle zum Teil (siehe Bushido, Sido etc.) sind mitverantwortlich für die Gewalt und auch für den Tod dieser Studentin. Sie sollten sich schämen! Doch sie haben keine Gefühle mehr.
5. Kunst und verantwortung
hotgorn 30.11.2014
Die verantwortung der Kunst ist nur bedingt weil rap formuliert überspitzt und schockieren will. Allerdings kann man das auch intelligent machen wie z.b. ein Holger burner und nicht solchen Sondermüll abliefern wie ein bushido, sido, haftbefehl der hier trotz des Todes des Mädchen Werbung für seinen neuen Ausguss macht und wie sie alle heißen mögen.
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