Urteil rechtskräftig Bundesgerichtshof verwirft Revision im Fall Tugce Albayrak

Tugce Albayrak starb, nachdem Sanel M. sie geschlagen hatte. Die Verteidiger des jungen Mannes gingen gegen die vom Landgericht Darmstadt verhängte Jugendstrafe in Revision - und sind damit nun vor dem Bundesgerichtshof gescheitert.

Sanel M., Verteidiger Kuhn: Revision gescheitert
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Sanel M., Verteidiger Kuhn: Revision gescheitert


Das Urteil im Fall Tugce Albayrak ist rechtskräftig. Der Bundesgerichtshof (BGH) habe eine Revision abgelehnt, sagte Stephan Kuhn, Anwalt des verurteilten Sanel M. Der Verteidiger bestätigte damit einen Bericht der "Bild"-Zeitung. Der BGH in Karlsruhe äußerte sich inhaltlich zunächst nicht zu den Informationen und verwies auf die noch ausstehende Benachrichtigung der Prozessbeteiligten.

Der inzwischen 19 Jahre alte Sanel M. war im Juni 2015 nach Jugendstrafrecht zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Landgericht sprach ihn der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig. Der Täter habe den Tod der 22-Jährigen nicht beabsichtigt, befand das Gericht. Sanel M. sei "kein Killer, Totschläger oder Koma-Schläger". Die Verteidiger legten Revision ein, die Staatsanwalt verzichtete darauf.

Sanel M. sitzt noch immer in U-Haft. Er habe bereits 14 Monate abgebüßt und werde jetzt für die Zeit der Strafhaft in ein Jugendgefängnis verlegt, sagte Anwalt Kuhn. Macit Karaahmetoglu, Anwalt der Angehörigen des Opfers, sagte: "Tugces Familie und alle anderen, die ihr nahestanden, sind beruhigt, dass das jetzt wenigstens juristisch abgeschlossen ist."

Sanel M. hatte Albayrak, einer Studentin, im November 2014 auf dem Parkplatz eines Offenbacher Schnellrestaurants einen Schlag gegen den Kopf versetzt. Die junge Frau schlug auf den Boden auf und zog sich schwere Kopfverletzungen zu, an denen sie später starb. Wie der Prozess ergab, waren dem Schlag üble Beleidigungen zwischen Sanels Jungengruppe und einer Mädchen-Clique um Tugce vorausgegangen.

ulz/dpa

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insgesamt 7 Beiträge
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Tolotos 22.01.2016
1. Es mag sein, dass er das nicht gewollt hat.
Aber wer aggressiv handelt muss dann auch die Folgen verantworten.
kratzdistel 22.01.2016
2. war zu erwarten
bisher ist der beschluss noch nicht eingestellt, weshalb die Revision keinen erfolg hatte. der bgh ist sehr sparsam, mit der Aufhebung von urteilen der Strafgerichte. das zeigt nur, dass die urteile sehr gut bergründet werden.
viceman 22.01.2016
3. der täter war doch mit
den 3 jahren gut bedient! was sollte denn das mit der revision? wenn ich mir vorstelle, daß man für 3 jahre haft - u-haft wird angerechnet - einen menschen totschlagen kann, dann finde ich das strafmaß wohl doch sehr "täterfreundlich"... bei guter führung.. - ich will gar nicht weiterdenken. das ist kuscheljustiz life- der "todesrennfahrer" von köln kommt sogar mit bewährung davon, so läuft es in deutschland !
ffmfrankfurt 22.01.2016
4.
Richtig so! Die Gesellschaft muss vor so ungehemmt aggressiven Menschen geschützt werden.
j.c78. 22.01.2016
5. Berufung gegen so ein mildes Urteil?
Was hat der Anwalt denn erhofft? Für den Tod eines Menschen? Auch wenn es juristisch nicht beweisbar ist. In dem Moment des Schlages wollte er zerstören, töten. Alles nur um seine mittelalterliche Vorstellung von Mann, Ehre (billige Belästigung von fünfzehnjährigen Mädchen steht dem nicht entgegen) und Selbstdarstellung zu demonstrieren.
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