Körperverletzung Staatsanwalt ermittelt gegen Bruder von Sanel M.

Der 18-jährige Sanel M. steht wegen des Todes der Studentin Tugce Albayrak vor Gericht. Nun bekommt auch sein jüngerer Bruder Ärger wegen einer mutmaßlichen Gewalttat.

Gedenken an Tugce Albayrak: Die Studentin starb an den Folgen eines Schlages
AP

Gedenken an Tugce Albayrak: Die Studentin starb an den Folgen eines Schlages


Kurz vor der Urteilsverkündung im Tugce-Prozess ist der Bruder des Angeklagten Sanel M. in das Visier der Ermittler geraten. "Die Staatsanwaltschaft Offenbach führt ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung gegen den Bruder", sagte ein Sprecher der Behörde SPIEGEL ONLINE. Er bestätigte einen Bericht der "Bild"-Zeitung.

Demnach soll ein Video belegen, dass der Bruder von Sanel M. dessen Freundin eine Ohrfeige gibt. Das Video stammt nach Angaben der Polizei aus dem März.

Es ist insofern brisant, als Sanel M. wegen einer "Ohrfeige", wie er selbst sagt, vor Gericht steht. Er soll Ende vorigen Jahres der Studentin Tugce Albayrak so fest ins Gesicht geschlagen haben, dass sie fiel und später an einer Hirnblutung starb.

Das Verfahren gegen den jüngeren Bruder bearbeitet die Mordkommission der Offenbacher Polizei. Sie war bereits mit den Ermittlungen gegen Sanel M. befasst.

Sanel M. zeigte Reue vor Gericht

Der Fall Tugce löste eine Welle öffentlicher Aufmerksamkeit aus. Am Dienstag soll das Urteil gesprochen werden. An der Schuld von Sanel M. besteht kein Zweifel. Er hat den Schlag zugegeben und zu Beginn und Ende des Prozesses erklärt, dass es ihm leidtue. Die Nebenklage, die Tugce Albayraks Familie vertritt, zweifelt die Aufrichtigkeit der Reue an. Das Geständnis sei von Prozesstaktik geleitet gewesen, sagte Anwalt Macit Karaahmetoglu.

Es gilt als wahrscheinlich, dass das Gericht um den Vorsitzenden Richter Jens Aßling den Angeklagten Sanel M. nach Jugendstrafrecht verurteilen wird. Der Beschuldigte war zum Tatzeitpunkt erst seit zehn Tagen 18 Jahre alt. Das Jugendstrafrecht sieht Sanktionen wie Arrest, Arbeitsauflagen oder die Teilnahme an einem Anti-Gewalt-Training vor. Möglich sind auch Haftstrafen im Jugendgefängnis. Das Gericht muss die Strafe dabei so bemessen, dass eine erzieherische Einwirkung möglich ist.

Die Staatsanwaltschaft fordert eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Die Nebenklage befürwortet eine längere Haftdauer, ohne eine konkrete Zeit zu nennen. Die Verteidigung plädiert dagegen für eine Bewährungsstrafe von einem Jahr. Sie beklagt die "beispiellose Vorverurteilung" ihres Mandanten.

sms/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
schokohase123 15.06.2015
1. Beispiellose Vorverurteilung
Mehr muss man dazu nicht sagen.
pstlzz 15.06.2015
2. Mordkommission????
Ist das Mobbing durch die Offenbacher Polizei?Wenn's stimmt, sehr bedenklich.
flyhi172 15.06.2015
3. Strafmuendigkeit
ich dachte immer dass man in Deutschland mit 18 strafmuendig ist. Sonst ist die Justiz doch immer so pingelig mit Fristen, auch wenn es nur um einen einzigen Tag geht.... gelten fuer Deutsche mit Migrationshintergrund andere Regeln ?
bunje 15.06.2015
4.
Die Mordkommission ermittelt wegen einer einfachen Körperverletzung? Geht's noch?
bellfleurisse 15.06.2015
5. Wo
sehen Sie, schokohase123 (toller Nick) die Vorverurteilung im Artikel? Im Video sieht man, wie ein junger Mann ein junges Mädchen ins Gesicht schlägt. Ob das der Bruder des Angeklagten ist, kann ich nicht sagen. Der Schläger im Video jedefalls gehört vor Gericht
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.