Kindesentziehung Familie aus Hannover offenbar an Ausreise aus Tunesien gehindert

Seit drei Jahren werden zwei Mädchen aus Hannover illegal bei ihren Großeltern in Tunesien festgehalten. Beim Versuch, ihre Töchter nach Hause zu holen, sollen der Mutter nun die Ausweispapiere weggenommen worden sein.


Rechtlich gesehen ist die Sache klar. Sowohl deutsche als auch tunesische Gerichte haben eine Frau aus Hannover das alleinige Sorgerecht für die ihre beiden Töchter zugesprochen. Der Vater sitzt seit zwei Jahren wegen Kindesentziehung in Deutschland im Gefängnis. Er hatte die beiden neun und elf Jahre alten Mädchen nach der Trennung von seiner Frau 2015 nach Tunesien gebracht. Dort leben sie in Kasserine, 300 Kilometer von Tunis entfernt, in einfachen Verhältnissen bei ihren Großeltern väterlicherseits.

Doch als die Mutter ihre Kinder am Sonntag heimholen wollte, wurden sie am Flughafen festgesetzt - trotz einer seit Februar vorliegenden Ausreisegenehmigung für die beiden Mädchen. "Uns sind die Pässe weggenommen worden und wir wissen nicht, was jetzt weiter passiert", sagte die Tante der beiden Mädchen, Maria Szur, der Deutschen Presse-Agentur in Tunis. Sie hatte ihre Schwester aus Hannover nach Tunesien begleitet. Inzwischen sei das Außenministerium des nordafrikanischen Staates involviert. Zuvor hatte der NDR über die Aktion berichtet, der den Fall seit einiger Zeit begleitet.

Mutter bereits sechs Mal nach Tunesien gereist

Es nicht das erste Mal, dass die Mutter vergebens nach Tunesien gereist ist, um ihre Töchter zurückzubringen. Sechs Mal schon war die 38-jährige Ärztin deshalb in dem Land. Während eines Besuches habe die ältere Tochter den Wunsch geäußert, nach Deutschland zurückzukehren, erzählte die Tante.

Doch nie sahen sich die Behörden in der Lage, die Gerichtsurteile zu vollstrecken. Mal hatte es geheißen, dass Jugendamt in Tunis sei nicht zuständig, dann sah der Staatsanwalt von Kasserine seine Hände gebunden. Der Großvater sei eben dagegen, dass die Kinder wieder nach Deutschland kommen.

Mutter: "Das Gesetz des Stärkeren regiert"

"Es ist dort tatsächlich so, dass das Rechtsurteil weniger wert ist als das Wort des erstgeborenen Sohnes, was mein Ex-Mann ist", sagte die Frau dem NDR. Für ihn stellvertretend agiere der Großvater. Einmal habe der Großvater angedroht, sich zu verbrennen. "Es ist in diesem Ort einfach so, dass das Gesetz des Stärkeren regiert."

Im Video: Kindesentführung ins Ausland

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Das Auswärtige Amt in Berlin teilte mit, dass die Botschaft in Tunis mit den zuständigen Behörden in Kontakt stehe. Jedes Jahr werden demnach mehrere hundert Kinder Opfer einer internationalen Kindesentziehung. 2016 zählte das Bundesamt für Justiz 454 Fälle, in denen Kinder aus oder nach Deutschland entführt wurden oder ein Elternteil den Kontakt des Kindes zum anderen Elternteil verhinderte.

löw/dpa

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