Spektakulärer Einbruch in Bank Die Tunnel-Profis von Steglitz

Die Polizei fahndet mit Hochdruck nach den Tunnelgräbern von Steglitz. Die Täter buddelten sich 45 Meter durch die Erde und räumten den Tresorraum einer Bank leer. Die Ermittler sprechen von Profis - die allerdings beim Verwischen der Spuren nicht ganz erfolgreich waren.

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Wie groß war er denn nun? Am Tag nach dem spektakulären Tunnel-Bankeinbruch in Berlin-Steglitz kursieren zu den Ausmaßen des unterirdischen Baus verschiedene Angaben. Der "Tagesspiegel" berichtet, der Tunnel sei "kniehoch" gewesen, die "B.Z." schreibt dagegen von einer Höhe von 1,50 Metern. Die Polizei will sich zu der genauen Größe nicht äußern, aus ermittlungstaktischen Gründen. Nur so viel: "Man muss nicht auf dem Bauch durchrobben", sagt Sprecher Thomas Neuendorf.

Dem Anschein nach wurde der Tunnel professionell gebaut, ausgekleidet und mit Stützbalken abgesichert. "Es macht einen soliden Eindruck, so etwas baut man nicht nur als Buddelkasten-Geschichte", sagt Neuendorf. Die Polizei erkundete den Tunnel mit einem Roboter, der Kamerabilder lieferte. Die Aufnahmen sollten helfen, die Stabilität des Baus zu bewerten - "damit wir wissen, ob wir überhaupt Kollegen reinschicken können oder ob Einsturzgefahr besteht".

Am frühen Nachmittag hatte der Roboter mehrere Erkenntnisse geliefert. Zum einen zeigten die Bilder laut Neuendorf, dass der Tunnel etwa 45 Meter lang ist. Bislang waren die Ermittler von 30 Metern Länge ausgegangen. Zum anderen besteht keine Einsturzgefahr. Kriminaltechniker seien bereits dabei, in dem Tunnel Spuren zu sichern, so Neuendorf.

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Einbruch in Berliner Bankfiliale: Von der Tiefgarage in den Tresorraum
Ein Feuer, das die Täter offenbar gelegt hatten, um Spuren zu verwischen, verfehlte anscheinend seinen Zweck. "Man kann trotzdem DNA-Spuren und Fingerabdrücke finden", sagt Neuendorf. Allerdings habe es gedauert, bis sich der Rauch verzogen habe. Deswegen habe die Spurensicherung erst verzögert mit der Arbeit beginnen können.

"Die Täter haben sich Zeit gelassen"

Der Tunnel führt von einer Parkbox in der Tiefgarage drei Meter unter der Erde nach rechts Richtung Bankgebäude. Die Box lässt sich mit einem Rolltor verschließen - auf diese Weise konnten die Täter ungestört werkeln. Die Box wurde Neuendorf zufolge vor etwa einem Jahr mit gefälschten Personalpapieren aus den Niederlanden gemietet. "Die Täter haben sich Zeit gelassen." Angesichts der aufwendigen Tat gehe man davon aus, dass mehrere Personen beteiligt gewesen seien. Ob die Einbrecher beim Tunnelbau einen Bauplan des Bankgebäudes hatten, lasse sich derzeit nicht sagen.

Zwar gebe es in dem Fall etwa zwei Dutzend Hinweise von Anwohnern; aber niemand habe die Tunnelarbeiten oder das Wegschaffen des Aushubs bemerkt. Dabei kam den Einbrechern offenbar zugute, dass die Bank ein alleinstehendes Haus an einer dicht befahrenen Straße ist und daher wohl niemandem nachts oder am Wochenende Lärm oder durch Graben ausgelöste Vibrationen im Boden auffielen. Der Tunnel wurde erst bekannt, als ein Anwohner am Montagmorgen gegen 6.15 Uhr Rauch in der Tiefgarage bemerkte. Die Feuerwehr entdeckte den Durchbruch in der Garage.

Weder Polizei noch Bank haben einen genauen Überblick, wie viele der Schließfächer geknackt wurden. Der Tresorraum hat nach Angaben von Sprecherin Nancy Mönch die Größe eines durchschnittlichen Zimmers. Darin seien 1600 Schließfächer enthalten, der Großteil von ihnen habe die Größe einer ganzen oder halben Schuhschachtel. Die Bank geht laut Mönch derzeit davon aus, dass etwa 200 Depots betroffen sind. Laut Polizei könnten es deutlich mehr sein, etwa ein Drittel der 1600 Schließfächer. Eine detaillierte Aufstellung der gestohlenen Dinge und betroffenen Schließfachmieter ist erst möglich, wenn die Spurensicherung ihre Arbeit im Tresorraum beendet hat.

Schließfachinhalte nicht automatisch versichert

Wann die Bank eine solche Bestandaufnahme machen kann, lässt sich derzeit nicht sagen. "Vielleicht waren hundert der geöffneten Schließfächer ja auch leer und aus Sicht der Täter Nieten", sagt Mönch. Ein Team aus mehreren Bankmitarbeitern soll den Fall bearbeiten.

Am Dienstag soll ein Kundenbrief Schließfachmietern erste Informationen geben. "Im Vordergrund steht die Frage: Ist mein Schließfach betroffen - ja oder nein", sagt Mönch. So wüssten manche Leute dann, dass sie verschont geblieben seien - und andere, dass sie Vorsorge treffen müssten. Wenn jemand etwa eine Kreditkarte oder Zweitschlüssel für sein Haus in aufgebrochenen Schließfächern deponiert habe, müsse die Karte gesperrt oder Schlösser ausgetauscht werden.

Für manche Betroffenen könnte der Einbruch besonders bitter werden - nämlich für jene, die für den Schließfachinhalt keine Versicherung haben. "Der Inhalt ist nicht automatisch versichert", sagt Mönch. Da nur die Kunden wüssten, was sich im Schließfach befinde, liege die Entscheidung über eine Versicherung ebenfalls bei den Kunden. Bei einer Anmietung werde immer empfohlen, eine entsprechende Police abzuschließen. Die Kosten dafür liegen laut Mönch bei 1,04 Promille des Versicherungswerts pro Jahr, wobei die Summe mindestens 30 Euro betragen muss.

Wer auf eine Versicherung verzichtete, hätte gewarnt sein können. Im Oktober 2010 wurde bereits einmal versucht, in die Filiale einzubrechen. Den Tätern gelang es zwar, ins Gebäude einzudringen, aber nicht in Bereiche vorzudringen, in denen Geld und Wertsachen gelagert wurden. Gestohlen wurde der Bank zufolge damals nichts. Anschließend, so Mönch, habe das Institut "alle technischen und architektonischen Sicherheitsauflagen" der Versicherung umgesetzt. Welche genau das waren, wollte sie nicht sagen.

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