Frankreich: TV-Sender macht Polizei-Gespräche mit Attentäter öffentlich

Mohamed Merah erläuterte seine Anschläge, berichtete von weiteren Mordplänen: Stundenlang sprach der Attentäter von Toulouse mit der Polizei. Nun hat ein TV-Sender die Audioaufnahmen veröffentlicht. Die Regierung und Angehörige der Opfer sind entsetzt, die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Polizei im März 2012 vor Mehras Wohnung in Toulouse: "Kein Respekt vor den Opfern"Zur Großansicht
Getty Images

Polizei im März 2012 vor Mehras Wohnung in Toulouse: "Kein Respekt vor den Opfern"

Paris - Die Taten schockierten Frankreich, hielten das Land tagelang in Atem: Mohamed Merah tötete im März bei drei Attentaten insgesamt sieben Menschen, ehe er am 22. März von Elitepolizisten erschossen wurde. Nun sorgt der Umgang eines Fernsehsenders mit dem Fall in Frankreich für eine heftige Debatte. Die Station hat Tonbandaufnahmen der Gespräche zwischen dem Attentäter und der Polizei ausgestrahlt und damit Empörung ausgelöst.

Der französische Innenminister Manuel Valls verurteilte die Entscheidung des Senders TF1, Auszüge der Aufnahmen zu veröffentlichen. Er warf dem Sender vor, die Familien der Opfer nicht zu respektieren. Es stelle sich die Frage, wie der Sender an die Aufzeichnungen gekommen sei.

Die Pariser Staatsanwaltschaft nahm nach Justizangaben Vorermittlungen wegen Verletzung des Ermittlungsgeheimnisses auf. Angehörige der Opfer des Attentäters Mohamed Merah zeigten sich schockiert und entsetzt. Opferanwälte kündigten einen Eilantrag an, um jegliche weitere Ausstrahlung der Tonaufnahmen verbieten zu lassen. Die Rundfunkaufsichtsbehörde CSA erklärte, sie habe den Fernsehsendern empfohlen, auf eine Ausstrahlung zu verzichten.

TF1 hatte am Sonntagabend erstmals Auszüge aus den aufgezeichneten Verhandlungen zwischen Merah und der Polizei gesendet. Der Attentäter hatte darin seine Verbrechen erklärt und weitere Attentatspläne geschildert. TF1 verfügt nach eigenen Angaben über viereinhalb Stunden Tonmaterial von den Gesprächen.

Merah hatte am 11. März einen Fallschirmjäger erschossen, wenige Tage später zwei weitere Soldaten. Wiederum nur kurz darauf tötete er vor einer jüdischen Schule in Toulouse drei Kinder und einen Lehrer.

Der 23-Jährige hatte sich als Mitglied des islamistischen Terrornetzwerks al-Qaida bezeichnet. Nachdem ihn die Behörden gestellt hatten, verschanzte er sich in seiner Wohnung in Toulouse. Dort wurde er von Polizisten nach 32-stündiger Belagerung erschossen.

ulz/AFP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
alles aus der Rubrik Justiz
alles zum Thema Attentate von Toulouse

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Montag, 09.07.2012 – 07:34 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
Interaktive Grafik

Chronologie
Der Serienattentäter von Toulouse hat ganz Frankreich zwölf Tage lang in Atem gehalten. Die Ereignisse in der Übersicht:





TOP



TOP