Großbritannien Polizei nimmt Mann nach Drohungen auf Twitter fest

Die Britin Caroline Criado-Perez hat erfolgreich für ein Frauen-Porträt auf der Zehn-Pfund-Banknote gekämpft, sie erntete dafür Vergewaltigungsdrohungen auf Twitter. Ein 21-Jähriger wurde nun festgenommen - und Großbritannien debattiert über den Umgang mit Online-Schmähungen.

Aktivistin Criado-Perez: "Es macht mich wütend"
Corbis

Aktivistin Criado-Perez: "Es macht mich wütend"


London - Caroline Criado-Perez hatte ein Ziel: Endlich sollten auf britischen Banknoten mehr Frauen zu sehen sein. Vor wenigen Tagen kam die Erfolgsmeldung: Ab 2017 wird das Antlitz der Autorin Jane Austen den Zehn-Pfund-Schein zieren.

Criado-Perez hatte wohl nicht damit gerechnet, welche Reaktionen ihre Kampagne hervorrufen würde. Sie wurde in sozialen Netzwerken wüst beschimpft, manche Benutzer drohten ihr mit Schlägen und Vergewaltigung. Insgesamt habe sie innerhalb eines halben Tages jede Stunde rund 50 Nachrichten feindseligen Inhalts erhalten, sagte Criado-Perez.

Am Sonntagabend wurde ein Mann aus Manchester festgenommen. Der 21-Jährige hatte mehrere beleidigende Tweets an Criado-Perez geschickt.

Zwar wird in Großbritannien jedes Jahr gegen Hunderte Personen wegen übler Facebook-Botschaften, Tweets, SMS oder E-Mails ermittelt. Oft sind Politiker oder Sportler Ziel der Angriffe. Aber der Fall Criado-Perez habe ein bislang nicht dagewesenes Echo gefunden, berichtet die Nachrichtenagentur Associated Press. Denn dieses Mal steht auch Twitter selbst im Fokus.

Yvette Cooper, Innenexpertin der Opposition, forderte das Unternehmen auf, seine internen Richtlinien für den Umgang mit Drohungen und Straftaten zu überprüfen. Zudem soll Twitter einen Button installieren, mit dem sich Schmähungen schneller melden lassen. Unterstützer haben dafür schon Zehntausende Unterschriften gesammelt. Der Umgang von Twitter mit dem Problem sei nicht angemessen und lasse nicht nur Criado-Perez im Stich, sondern auch viele weitere Mädchen und Frauen, die auf Twitter ähnliche Erfahrungen gemacht hätten, so Cooper.

Es sei nicht ungewöhnlich, bepöbelt zu werden, zitiert der "Guardian" Criado-Perez. "Aber so intensiv und aggressiv habe ich es noch nicht gesehen. Es macht mich wütend, dass der Preis für den Einsatz für Frauen ist, 24 Stunden lang Vergewaltigungsdrohungen zu bekommen."

Criado-Perez will sich nicht einschüchtern lassen. Sie machte bei der Polizei eine Aussage - und prangert die beleidigenden Tweets an - mit dem Hashtag #shoutingback. Und sie hofft, das Unternehmen werde seine Politik ändern. Man habe die Bank of England umstimmen können, "wir können das auch mit Twitter tun", so Criado-Perez.

Twitter hat bisher kaum etwas zum Thema gesagt. Tony Wang, Twitter-Chef in Großbritannien, twitterte, man prüfe, wie Pöbler einfacher gemeldet werden könnten. Man werde Accounts löschen, die die Regeln des Unternehmens missachteten, teilte eine Sprecherin laut "Independent" mit. Zu einzelnen Nutzern äußere man sich nicht.

ulz/AP

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insgesamt 50 Beiträge
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Seite 1
Mimimat 29.07.2013
1. Gut so!
Ich denke, egal wie kontrovers und mitunter sarkastisch diskutiert wird: Ich habe niemanden zu beleidigen und möchte auch nicht beleidigt werden. Dabei ist es egal, ob im Internet oder im real life. Mein Gegenüber ist immer ein Mensch aus Fleisch und Blut. Und ich versuche immer nach dem Motto "Was ich nicht will, was man mir tu, das füg' ich auch keinem andern zu" zu handeln.
kuac 29.07.2013
2. Alltag
Wenn jemand öffentlich Vergewaltigungsdrohung ausspricht, dann wird er von der Polizei festgenommen. Ein ganz normaler Polizeialltag.
TheGossip 29.07.2013
3. Bedrohung und Beleidigung
Ich sehe die Deliktformen - in Deutschland - ausreichend durch Strafe bedroht. Ob man Twitter einem Unterhalter eines Online-Stammtisches gleichstellen sollte, halte ich für zweifelhaft, Twitters Zahlen sind dafür zu ungeheuerlich, um vorsorgenden Rechtsschutz bereitstellen zu können. Aber wenn eine Rechtsverletzung beklagt wird, muss sie eliminiert werden, reagierender Rechtsschutz ist unverzichtbar. Die Täter läßt man auch besser in die selbstentworfene Falle laufen, man erkennt sie leichter, ohne sie rundum zu beobachten. Jene Krawalltypen, die auf vielleicht einfältige Women's Lib Aktivitäten mit Vergewaltigungsdrohungen reagieren, sind zu nahe dran am Delikt - jeder Täter hat einmal gedroht, auch wenn nicht jeder Bedrohende gleich zum Täter wird.
warp0 29.07.2013
4.
Zitat von MimimatIch denke, egal wie kontrovers und mitunter sarkastisch diskutiert wird: Ich habe niemanden zu beleidigen und möchte auch nicht beleidigt werden. Dabei ist es egal, ob im Internet oder im real life. Mein Gegenüber ist immer ein Mensch aus Fleisch und Blut. Und ich versuche immer nach dem Motto "Was ich nicht will, was man mir tu, das füg' ich auch keinem andern zu" zu handeln.
Könnte des Pudels Kern sein. Wen eine Beleidigung nicht aus der Bahn wirft, den kümmert es auch nicht besonders, wenn er jemand anderem auf den Schlips tritt. In einer Diskussion sicherlich unsachlich und unangemessen - aber in der Hitze des Gefechts durchaus menschlich. Seit Jahrtausenden messen sich Redner im Wortstreit, Bücher über Rhethorik und Dialektik sind erschienen. Mag sein, dass das nicht jedermanns Geschmack ist - aber das jetzt alles zu regulieren nur um sich auf den flauschigsten gemeinsamen Nenner zu einigen - kann es in meinen Augen nicht sein.
cyclux 29.07.2013
5. Das ist kein Grund für eine Generalzensur!
Falls aus diesem Grund das Problem mit #RepliesNotShowingUp besteht: Definitiv der falsche Weg! pic.twitter.com/bLAm7IHLXn
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