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Überfall auf Pokerturnier: Coup der Dilettanten

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Sie agierten chaotisch und in großer Hektik, doch sie entkamen mit fast 250.000 Euro Beute: Bei den Männern, die das Pokerturnier in Berlin überfallen haben, handelt es sich wohl nicht um Profis. Der Coup gelang nur, weil auch die Sicherheitsvorkehrungen alles andere als ausgefeilt waren.

Überfall auf Pokerturnier: Wie gewonnen, so zerronnen Fotos
SPIEGEL TV

Berlin - Eine Machete, eine Pistole, das richtige Timing - mehr brauchten vier Männer am Samstagnachmittag nicht, um ein großes Pokerturnier in Berlin zu überfallen und fast 250.000 Euro zu erbeuten. Und dank eines wehrhaften Wachmannes und zahlreicher Kameras wurde der Überfall sogar zum spektakulären Actionfilm.

Die Nachrichtenagentur AFP verglich den Coup mit der Hollywood-Gaunerkomödie "Oceans Eleven". Doch das ist - nach allem, was man bislang weiß - Unsinn.

Denn im Gegensatz zu den smarten Casino-Räubern um George Clooney gingen die Berliner Täter nicht wie Gentlemen-Gangster vor, sondern eher wie brutale Kriminelle, die einen Supermarkt ausrauben.

Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), ist überzeugt, dass nicht Profis, sondern "kleine Ganoven" den Überfall verübt haben. Er sei "chaotisch und dilettantisch" ausgeführt worden. "Die Bewaffnung, das Vorgehen und die Berge von Spuren, die sie offensichtlich hinterließen, deuten darauf hin, dass die Polizei diese Täter sehr schnell kriegen wird", sagte Wendt SPIEGEL ONLINE.

Zeugen befragen, Videos auswerten

Auch der Berliner Polizeipräsident Dieter Glietsch geht von einem zügigen Ermittlungserfolg aus. Die Chancen für die Aufklärung "stehen nicht schlecht", sagte Glietsch am Montag im Innenausschuss. Genauere Angaben wollte die Berliner Polizei auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht machen. Es werde mit Hochdruck gearbeitet, sagte eine Sprecherin. Momentan bedeutet das vor allem: Tatortspuren analysieren, Zeugen befragen, Videos auswerten.

Die Bilder zeigen deutlich, wie wirr der Überfall ablief: Um 14.12 Uhr betreten die Männer über einen Seiteneingang das Hyatt-Hotel, bewaffnet mit Pistolen und einer Machete. Sie gehen in den Vorraum des Pokerturniers, bedrohen die Anwesenden, nehmen Geld aus den Kassen, stopfen die Scheine hektisch in ihre Taschen. Sie nutzen sogar eine Laptoptasche, die sie erst am Tatort einsammeln.

Doch dann stellt sich ein Sicherheitsmann den Räubern entgegen, bewirft sie mit Gegenständen, überwältigt zwischenzeitlich einen der Täter. Ein Hotelmitarbeiter schnappt sich die Tasche mit einem Großteil der Beute, auf ihr kann die Polizei angeblich DNA-Spuren eines Räubers sicherstellen, der keine Handschuhe trug. Die Täter flüchten schließlich mit 242.000 Euro. Sie verschwinden in der Menschenmenge auf dem Potsdamer Platz.

Gut gewählter Zeitpunkt

Das Ganze dauerte nicht einmal fünf Minuten, doch der Zeitpunkt des Überfalls war gut gewählt. Nur für einen kleinen Zeitraum war die insgesamt 691.000 Euro der Pokerspieler im Vorraum schlecht gesichert, wenig später wäre es im Haupttresor für die Gangster kaum zu erreichen gewesen. Alles deutet darauf hin, dass die Männer unter den Pokerspielern einen Helfer hatten, der ihnen den nötigen Tipp gab.

Der Coup wäre wohl gescheitert, wenn die Veranstalter nicht so sorglos vorgegangen wären. Die Mitarbeiter der privaten Sicherheitsfirma waren unbewaffnet und zudem in der Unterzahl. DPolG-Chef Wendt kritisiert die Veranstalter deshalb scharf: Wer so viel Geld in bar vorhalte, müsse auch Sorge tragen, dass genügend Sicherheitspersonal vor Ort sei. "Ein paar Wachmänner und ein Hotelpraktikant reichen da nicht aus", so der Gewerkschaftsvorsitzende. "Das war wirklich sehr fahrlässig."

Tatsächlich bietet sich solch eine Chance Kriminellen heute nur noch selten: In den vergangenen Jahren ist es aufgrund verbesserter Sicherheitsvorkehrungen immer schwerer geworden, große Summen Bargeld zu stehlen. Banken lagern die Scheine weniger zugänglich als früher. Die Aussicht auf fette Beute ist bei Überfällen also deutlich geringer als früher. Und die Gefahr geschnappt zu werden, deutlich größer.

Seltene Gelegenheiten

Tatsächlich ist die Anzahl der Diebstähle unter erschwerenden Umständen laut Kriminalstatistik seit 1993 um mehr als die Hälfte gesunken. In diese Kategorie fallen Überfälle auf Banken, Postfilialen, Geldtransporte. Kriminelle, die richtig absahnen wollen, müssen daher auf seltene Gelegenheiten warten.

So eine ergab sich in Berlin bereits 2005, als maskierte Männer das Amtsgericht Schöneberg stürmten und über 128.000 Euro erbeuteten. Auch damals war eine große Summe Bargeld leicht zu stehlen, auch damals waren die Sicherheitsvorkehrungen nicht ausreichend.

Laut "Tagesspiegel" prüft die Berliner Polizei nun, ob eine Verbindung zum Überfall auf das Pokerturnier besteht. Im besten Fall könnten die Beamten dank des dilettantischen Vorgehens zwei Fälle auf einmal lösen. Polizeigewerkschaftschef Wendt rät den Tätern sogar spöttisch, sich am besten gleich zu stellen und die Beute mitzubringen. "Vielleicht gibt es ein paar Jahre weniger Knast", sagt er.

Mit Material von dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 57 Beiträge
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1. Amateure
Fangio 08.03.2010
In der Tat, das waren definitiv weder Oceans Eleven noch James Bond in real life, sondern lediglich Eierdiebe mit einem Tipgeber im Personalbereich des Hotels. Und um das mal klarzustellen, hier wurde bisher deutlich zuviel Unsinn über sogenannte „Security”-Pro’s und deren Heldentum verbreitet. Aus der Nähe betrachtet sind 99,9% des Wachpersonals bei Sicherheitsfirmen dem gleichen Halbwelt-Milieu zuzurechnen wie auch Türsteher aus der Club- bzw. Discoszene: minderbemittelte Schlägertypen mit nichts anderem an Ausbildung/Background als einer Dauerkarte in der Muckibude.
2. Nicht verkehrt
Ursprung 08.03.2010
Zitat von FangioIn der Tat, das waren definitiv weder Oceans Eleven noch James Bond in real life, sondern lediglich Eierdiebe mit einem Tipgeber im Personalbereich des Hotels. Und um das mal klarzustellen, hier wurde bisher deutlich zuviel Unsinn über sogenannte „Security”-Pro’s und deren Heldentum verbreitet. Aus der Nähe betrachtet sind 99,9% des Wachpersonals bei Sicherheitsfirmen dem gleichen Halbwelt-Milieu zuzurechnen wie auch Türsteher aus der Club- bzw. Discoszene: minderbemittelte Schlägertypen mit nichts anderem an Ausbildung/Background als einer Dauerkarte in der Muckibude.
Passt doch: die wissen doch besser mit ihresgleichen umzugehen als andere. Was man am beherzten Eingreifen zumindest einer von ihnen ja sehen kann. Sind offensichtlich Macher, denen es Ehrensache ist, den uebernommenen Job auch gut zu erledigen. Bei ausgebildeten Polizisten, auch den neueren Bundespolizisten, vom Volk bezahlt, treffe ich dabei zwar nicht in der Mehrzahl, aber an zu hohem Prozentsatz welche, die sich dieser Ehre und Arbeitsmoral nicht wuerdig weisen.
3. Kuhr Security entzauber
newright 08.03.2010
Zitat von FangioIn der Tat, das waren definitiv weder Oceans Eleven noch James Bond in real life, sondern lediglich Eierdiebe mit einem Tipgeber im Personalbereich des Hotels. Und um das mal klarzustellen, hier wurde bisher deutlich zuviel Unsinn über sogenannte „Security”-Pro’s und deren Heldentum verbreitet. Aus der Nähe betrachtet sind 99,9% des Wachpersonals bei Sicherheitsfirmen dem gleichen Halbwelt-Milieu zuzurechnen wie auch Türsteher aus der Club- bzw. Discoszene: minderbemittelte Schlägertypen mit nichts anderem an Ausbildung/Background als einer Dauerkarte in der Muckibude.
Das war Kuhr-Security somit dürften sie es ziemlich genau treffen mit ihrer Aussage. Warum allerdings das Hyatt diese Leute anstellt ist mir schleierhaft. Da müsste sich doch der Sicherheitschef dagegen stemmen. Eigentlich sind doch die Kuhr-Leute so wie man sie immer im Fernsehen sieht sehr gut. Es zeigt wieder einmal, das Sicherheitsfirmen die im Fernsehen angeben müssen nichts aber überhaupt nichts taugen. Im Video erkennt man sehr gut, das der angebliche "Held" seinen Posten verlassen hat und das Geld völlig unbewacht war. Schön das sie den Tätern hinterher rennen und das Geld alleine lassen. Aber am allerbesten ist nur das der so hochgelobte Herr Kuhr seinen Leuten noch erlaubt Interviews zu geben oder wenn er es nicht erlaubt hat, das er seine Leute in keinster Weise zur Vertraulichkeit verpflichtet hat. Es reicht nun einmal in sensiblen Bereichen nicht aus, wenn die Leute vielleicht gut körperlich trainiert sind, jedoch in keinerlei taktisches Verständnis besitzen.
4. Raubüberfall
Ragnarrök 08.03.2010
Raubüberfall in Berlin? Das trifft sich gut! Ob da der neue Imam für Tegel schuld dran ist?? http://www.tagesspiegel.de/berlin/Polizei-Justiz-Islam-JVA-Tegel-Reinickendorf;art126,3049926 R.
5. .
Fritze Bollmann, 08.03.2010
...."Die Bewaffnung, das Vorgehen und die die Berge von Spuren, die sie offensichtlich hinterließen, deuten darauf hin, dass die Polizei diese Täter sehr schnell kriegen wird", sagte Wendt SPIEGEL ONLINE. Ziemlich großkotzig diese Aussage. Was passiert, wenn man die Täter nicht kriegt, Herr Wendt?
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