Überfall auf Rentner Münchner Schläger sollen psychiatrisch untersucht werden

Voll schuldfähig oder nicht? Die Staatsanwaltschaft will die beiden Jugendlichen, die in München einen Rentner brutal zusammengeschlagen haben, psychiatrisch untersuchen lassen. Die politische Debatte über die Konsequenzen aus der Tat gewinnt an Schärfe.


München - Nach dem brutalen Überfall auf einen Rentner in München will die Staatsanwaltschaft eine psychiatrische Untersuchung der Täter beantragen. Ein Sprecher der Behörde bestätigte damit einen Bericht des "Focus". Das Magazin berichtete, die Ankläger wollten eine Kinder- und Jugendpsychiatrie in München mit der Begutachtung des 20-Jährigen und des 17-Jährigen beauftragen. Sollte sich herausstellen, dass die Männer nicht voll schuldfähig waren, wäre demnach auch eine Unterbringung im Maßregelvollzug möglich.

Jugendliche Schläger in München: Aufnahme der Überwachungskamera
Polizei München

Jugendliche Schläger in München: Aufnahme der Überwachungskamera

Die politische Debatte über mögliche Konsequenzen aus dem Vorfall reißt nicht ab. Die bayerische Justizministerin Beate Merk wandte sich gegen eine schnelle Ausweisung der beiden Inhaftierten. "So leicht sollten die Täter nicht davon kommen", sagte die CSU-Politikerin dem "Focus". Zunächst sollten sie ihre zu erwartende mehrjährige Haftstrafe absitzen.

Der 20-jährige Türke und der 17 Jahre alte Grieche hatten den 76-Jährigen in einer Münchner U-Bahn-Station zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt. Er hatte sie gebeten, in der U-Bahn ihre Zigaretten auszumachen. Die Täter legten ein Geständnis ab.

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) stößt mit seiner Forderung nach härterem Vorgehen gegen kriminelle junge Ausländer auf immer schärfere Kritik. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) nannte es in einem Interview der "Frankfurter Rundschau" "unseriös", bei den Menschen den Eindruck zu erwecken, Jugendstrafrecht sei nichts anderes als "Kuschelpädagogik".

Dies sei "Unfug und wird durch ständiges Wiederholen nicht richtiger", sagte die SPD-Politikerin dem Blatt. Der schleswig-holsteinische Innenminister Ralf Stegner warf Koch vor, er falle "in den unsäglichen Anti-Ausländer-Wahlkampf seiner ersten Wahl zurück".

Koch hatte verlangt, "Null Toleranz gegen Gewalt muss ganz früh beginnen und Bestandteil unserer Integrationspolitik sein." Der CDU-Politiker hatte für eine häufigere Anwendung des geschlossenen Strafvollzuges für verurteilte Täter zwischen 18 und 21 Jahren plädiert. "Gefängnis muss man spüren, wenn es Wirkung haben soll", sagte Koch. Zypries wies diese Äußerungen als Irreführung der Bürger zurück. "Jugendliche, die Haftstrafen verbüßt haben, weisen eine höhere Rückfallquote aus, als jene, die mit anderen Sanktionen bestraft wurden", sagte die Ministerin der "Frankfurter Rundschau".

phw/AP/AFP



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