Berlin - Nach der Festnahme der vier Tatverdächtigen des spektakulären Überfalls auf Deutschlands größtes Pokerturnier in Berlin wird jetzt über mögliche Drahtzieher des Raubes spekuliert. Wie die "Berliner Morgenpost" am Sonntag unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, gibt es Anzeichen dafür, dass die Räuber den Überfall nicht selbst geplant haben, sondern von Hintermännern beauftragt wurden.
Die Festgenommenen sollen demnach lediglich mit der Ausführung des Raubes beauftragt worden sein. Hinter der Tat sollen laut der Zeitung Mitglieder einer polizeibekannten arabischen Großfamilie stecken. Zwei Mitglieder dieser Familie sollen sich kurz vor dem Überfall im Grand Hyatt aufgehalten haben und auf Überwachungsbildern zu sehen sein. Ein mit dieser Familie verfeindeter krimineller Clan wiederum soll der Polizei Hinweise auf die Identität der Räuber geliefert haben. Beide Familien sind demnach im kriminellen Milieu aktiv.
Die beiden letzten noch nicht gefassten mutmaßlichen Täter, die sich in die Türkei und den Libanon abgesetzt hatten, hatten sich am Samstag in Berlin den Fahndern gestellt.
Beute nach wie vor verschwunden
Ein 21-jähriger mutmaßlicher Poker-Räuber hatte sich am Montag der Polizei gestellt und die Namen seiner Komplizen genannt. Ein weiterer war am Mittwoch von einer Zivilstreife bei einer Routinekontrolle am U-Bahnhof Rosenthaler Platz im Bezirk Mitte festgenommen worden.
Mustafa U. nahmen Beamte am Samstagvormittag am Berliner Flughafen Tegel fest. Der Anwalt des 20-Jährigen habe den Ermittlern zuvor angekündigt, dass sich sein Mandant stellen wolle. Er soll aus Istanbul gekommen sein.
Jihad Khaled C. hatte sich zunächst in den Libanon abgesetzt. Er flog am Samstagnachmittag um 14.50 Uhr in Beirut ab. Beobachtet wurde er von einem Team von SPIEGEL TV, das ebenfalls an Bord der Fly-Germania-Maschine war. In Berlin wartete dann bereits die Polizei auf den jungen Mann.
Nun also sind alle vier mutmaßlichen Täter in Polizeigewahrsam - von der Beute in Höhe von 242.000 Euro fehlt jedoch weiter jede Spur.
Am 6. März hatten vier bewaffnete und maskierte Männer das größte Pokerturnier Deutschlands im Luxushotel Grand Hyatt am Potsdamer Platz überfallen. Die Täter stürmten mit Schusswaffen und Macheten zur Registratur, wo die Spieler ihr Startgeld entrichteten und Geld in Pokerchips umtauschten. Sieben Menschen wurden leicht verletzt. Bei der Flucht gelang es einem Wachmann kurzzeitig, den nun zuerst gefassten Täter zu überwältigen. Ein Praktikant konnte ihm einen Großteil der Beute entreißen. Doch ein Komplize befreite den Mann. Die Räuber entkamen über den Potsdamer Platz.
Mehr zu den Pokerturnier-Räubern erfahren sie am Sonntag, 21.3.2010, um 23:35 Uhr im SPIEGEL TV Magazin auf RTL.
cis/ddp/APN
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