Addis Abeba - Bei einem Überfall auf eine Reisegruppe in Äthiopien sind fünf Personen getötet worden, darunter zwei Deutsche. Außenminister Guido Westerwelle bestätigte am Mittwochnachmittag, dass Deutsche unter den Opfern sind. "Ich muss Ihnen leider auch mitteilen, dass das Schicksal von weiteren Deutschen, die zu der Reisegruppe gehörten, noch ungeklärt ist", so Westerwelle.
Nach Angaben der Regierung Äthiopiens sind zwei weitere Bundesbürger entführt worden. Die übrigen Toten seien zwei Ungarn und ein Österreicher.
Der äthiopische Kommunikationsminister Bereket Simon teilte mit, insgesamt seien vier Menschen verschleppt worden. Das staatliche äthiopische Fernsehen hatte am Dienstag berichtet, die betroffene Gruppe habe acht Urlauber umfasst. Ein Urlauber habe entkommen können. Die Äußerungen Berekets vom Mittwoch deuteten aber darauf hin, dass die Gruppe größer war.
Touristen hielten sich in Sperrgebiet auf
Der österreichische Außenamtssprecher Peter Launsky-Tieffenthal sagte am Dienstagabend, möglicherweise seien zwei Gruppen mit insgesamt bis zu 22 Personen überfallen worden. Diese Zahlen seien aber nicht bestätigt. Das Problem sei, dass es in der Region keine Infrastruktur gebe und auch Satellitentelefone kaum funktionierten.
Die Gruppe war nach offiziellen Angaben Dienstagfrüh um 5 Uhr in einem Gebiet 20 bis 25 Kilometer vor der eritreischen Grenze überfallen worden. An der Grenze bekämpften sich Äthiopien und Eritrea zwischen 1998 und 2000. Rund 80.000 Menschen kamen damals ums Leben. Im letzten Jahr kam es erneut zu Spannungen zwischen den beiden Staaten, als ein Bericht der Uno Eritrea vorwarf, einen Anschlag auf eine Konferenz der Afrikanischen Union in Äthiopien geplant zu haben.
Die Reisegruppe war in der entlegenen Region Afar im Norden des Landes unterwegs. Nach Angaben des österreichischen Außenministers Michael Spindelegger hielten sie sich in einem militärischen Sperrgebiet auf.
Nach äthiopischer Darstellung wurden die Angreifer vom Nachbarland Eritrea ausgebildet und mit Waffen versorgt. Der eritreische Botschafter bei der Afrikanischen Union, Girma Asmerom, bezeichnete die Vorwürfe aus Äthiopien als erfunden und als "absolute Lüge". Der Überfall sei eine interne äthiopische Angelegenheit.
Das Auswärtige Amt hat einen Krisenstab eingerichtet. Mittlerweile ist auch das Bundeskriminalamt in den Fall eingeschaltet. Der BKA-Verbindungsbeamte in Kenia sei am Dienstag nach Addis Abeba entsandt worden, zwei seiner Kollegen würden im Laufe des Tages folgen, sagte Behördenchef Jörg Ziercke. Ziercke mahnte zur Vorsicht bei der Bewertung des Überfalls. "Das Lagebild ist sehr diffus." Die Hintergründe seien unklar. Bei den Tätern handele es sich möglicherweise um Rebellen.
ulz/Reuters/dapd/dpa
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