Überfall vor der Küste Piraten kapern französische Yacht - Premier droht mit Militärschlag

Seeräuber-Drama vor der Küste Somalias: Piraten haben einen französischen Luxus-Dreimaster überfallen und 30 Besatzungsmitglieder in ihre Gewalt gebracht. Der französische Premier persönlich greift ein - und droht mit einem Militäreinsatz.


Paris - François Fillon wählte deutliche Worte. "Das ist ein eklatanter Fall der Piraterie", sagte der französische Premierminister im Radio.

Der Dreimaster "Le Ponant" war von den Seychellen in Richtung Mittelmeer unterwegs, als er gekapert wurde. Passagiere waren nicht an Bord, wie die Hafenbehörde in Aden im Jemen mitteilte. Bei dem Piratenangriff sind nach bisherigen Erkenntnissen keine Schüsse gefallen. Über mögliche Forderungen der Piraten ist noch nichts bekannt. "Wir haben bislang weder mit den Piraten noch mit der Besatzung Kontakt gehabt", sagte Verteidigungsminister Hervé Morin dem Radiosender France Inter.

Unter den Geiseln sind einige Franzosen. Das Krisenzentrum in Frankreich ist eingeschaltet worden, um zunächst alle notwendigen Informationen zu sammeln. Gemeinsam mit der Reederei CMA CGM werde der Kontakt zu den betroffenen Familien hergestellt.

Das Verteidigungs- sowie das Außenministerium arbeiteten an dem Fall, sagte Fillon. Er hoffe auf eine Freilassung in den kommenden Stunden. Frankreich habe "relativ große militärische Möglichkeiten" in der Region, fügte er hinzu. Auch Verteidigungsministern Hervé Morin schloss im französischen Radio einen Militäreingriff nicht aus.

Streit um Lösegeld-Zahlungen für dänischen Frachter

Frankreich unterhält eine Militärbasis in Dschibuti, mehrere Marineschiffe kreuzen in der Region. Die Fregatte "Le Commandant Bouan" ist bereits vorübergehend von ihrer eigentlichen Fahrtroute abgezogen worden, um zu der Yacht zu fahren. Auch ein kanadischer Helikopter, der auf einem Militärschiff stationiert ist, wurde eingesetzt.

Die "Le Ponant" ist 88 Meter lang und verfügt über vier Decks. Auf dem der Luxus-Yacht gibt es zwei Restaurants. Das Schiff kann 64 Passagiere aufnehmen. Das Schiff sollte weiter nach Alexandria in Ägypten fahren, um Passagiere von dort nach Malta zu bringen. Der Grundpreis für diese zehntätige Reise: 3465 Dollar.

Die Küste vor Somalia und generell der gesamte Golf von Aden zwischen der arabischen Halbinsel und dem Horn von Afrika sind berüchtigt für Piratenüberfälle. Auch Patrouillenboote der US-Marine schrecken die meist schwer bewaffneten Täter nicht ab.

Erst vor wenigen Wochen hatten Piraten einen dänischen Frachter gegen eine hohe Lösegeldzahlung aus ihrer Gewalt entlassen. Somalische Behörden hatten damals kritisiert, die Zahlung von Lösegeld ermutige nur zu neuen Fällen von Seeräuberei.

itz/AP/AFP/dpa



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