Ukraine Gericht verurteilt Hundequäler zu langer Haftstrafe

Es ist ein abschreckendes Urteil: Weil er Straßenhunde misshandelte, muss ein Student aus Kiew für vier Jahre ins Gefängnis. Der 19-Jährige quälte die Tiere stundenlang, ehe er sie tötete. Der Schuldspruch soll auch Kritiker in Westeuropa besänftigen.


Kiew - Die Bilder wurden mit einer Handy-Kamera aufgenommen und dann im Internet veröffentlicht: Ein 19 Jahre alter Student aus Kiew quälte stundenlang wehrlose Hunde und tötete sie grausam. Auf den Videos ist zu sehen, wie der junge Mann Zigarettenstummel auf Welpen ausdrückt, sie mit einem Schraubenzieher verletzt und in einem Wassereimer ertränkt. Vor einem Gericht in der ukrainischen Hauptstadt räumte der junge Mann die Taten ein und wurde nun zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Dem jungen Mann wurden neun Taten nachgewiesen. Sein Kumpel, der die Filme gedreht haben soll, erhielt drei Jahren Haft auf Bewährung.

Für Prozessbeobachter ist es ein Urteil, das im Co-Gastgeberland der Fußball-Europameisterschaft abschrecken soll. Brutaler Umgang mit Tieren zieht in der Ukraine normalerweise nur Geldstrafen nach sich. Dies aber sei ein Präzedenzfall, sagte Staatsanwältin Janina Palamartschuk laut der Zeitung "Segodnja".

Mit dem harten Strafmaß wolle die Justiz auch ihre lautstarken Kritiker vor allem in Westeuropa besänftigen, hieß es in Kiew. Die Ukraine war im Vorfeld der EM wegen staatlich organisierter Tötungen von Streunern scharf angegriffen worden. Herrenlose Hunde sind in Kiew wie in der gesamten Ex-Sowjetrepublik ein alltägliches Problem. In Rudeln lungern sie an Metro-Stationen, Unterführungen und in Parks herum. Immer wieder berichten Medien über Hunde-Angriffe auf Passanten, es besteht Tollwutgefahr.

Er habe die Gefahr beseitigen und in seinem Viertel aufräumen wollen, sagte der Angeklagte vor Gericht. Er zeigte sich einsichtig: "Ich bereue aufrichtig und bitte darum, mich nicht hinter Gitter zu setzen", sagte er in seinem Schlusswort. Der Prozess sei eine Lehre gewesen, er werde sein Verhalten zu Tieren ändern. Doch die Richterin blieb hart. Nur weil er während der Taten stark betrunken war, erhielt der Student nicht die Höchststrafe von fünf Jahren Haft.

Vor dem Gerichtsgebäude hatten mehrere Tierschützer für ein hartes Urteil demonstriert. Der Schuldspruch ist noch nicht rechtskräftig.

wit/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.