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02. Januar 2015, 18:13 Uhr

Freigänger Uli Hoeneß

Nur noch nachts hinter Gittern

Sieben Monate nach seinem Haftantritt ist Uli Hoeneß jetzt offiziell Freigänger. Welche Voraussetzungen musste er dafür erfüllen? Und was bedeutet das für die Zukunft des ehemaligen FC-Bayern-Präsidenten? Der Überblick.

München - Am 5. Januar feiert Uli Hoeneß seinen 63. Geburtstag - und er wird ihn nicht im Gefängnis feiern müssen. Vor sieben Monaten hat der ehemalige Präsident des FC Bayern seine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung angetreten, nun darf er als Freigänger das Gefängnis wieder regelmäßig verlassen. Was genau bedeutet das? Die wichtigsten Antworten im Überblick.


Was bedeutet Freigang?

Eine Lockerung des Strafvollzugs. Als Freigänger darf Hoeneß tagsüber ohne Aufsicht das Gefängnis verlassen und arbeiten. Zum Schlafen muss er allerdings wieder zurück. So regelt es das bayerische Strafvollzugsgesetz in Artikel 13. Im Freistaat werden Freigänger in besonderen Einrichtungen wie etwa dem ehemaligen Kloster Rothenfeld bei Andechs untergebracht. Freigänger haben bis zu 21 Tage Urlaub und können Wochenenden bei ihren Familien verbringen.

Wer bekommt Freigang?

Haftlockerungen sollen Häftlinge auf ihre Entlassung vorbereiten. Freigang wird in Bayern nur gewährt, wenn "mit hinreichender Sicherheit" ausgeschlossen werden kann, dass die Häftlinge im Freigang fliehen oder Straftaten verüben werden. Voraussetzung ist zudem, dass die Gefangenen "durch ihr Verhalten im Vollzug die Bereitschaft gezeigt haben, an der Erreichung des Vollzugszieles mitzuwirken".

Seit der Föderalismusreform von 2006 können die Länder eigene Vollzugsgesetze erlassen. Laut Bundesjustizministerium haben das noch nicht alle Länder getan: Berlin, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein richten sich den Angaben zufolge noch nach dem Bundesgesetz.

In Bayern werden Gefangene in der Regel mindestens sechs Monate im geschlossenen Vollzug untergebracht. Freigang kann in Bayern üblicherweise 18 Monate vor der voraussichtlichen Entlassung gewährt werden.

Hoeneß wurde vom Landgericht München zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Strafe kann nach zwei Dritteln der Haftzeit unter gewissen Bedingungen zur Bewährung ausgesetzt werden - unter besonderen Umständen sogar nach der Hälfte (Paragraf 57 Strafgesetzbuch). Hoeneß käme also frühestens im Frühjahr 2016 frei.

Bundesweit sind etwa 17 Prozent der Häftlinge Freigänger. Im Jahr 2011 kehrten in Bayern offiziellen Angaben zufolge nur sechs von 1721 Freigängern nicht in ihre Haftanstalten zurück.

Was macht Hoeneß tagsüber?

Hoeneß wird wohl zu seinem alten Arbeitgeber zurückkehren. Die Verantwortlichen beim FC Bayern haben bereits mehrfach gesagt, dass er im Nachwuchsbereich des Vereins arbeiten werde. Dies sei Hoeneß' Wunsch gewesen, sagte Präsident Karl Hopfner.

Was bedeutet die Entscheidung für die Reststrafe von Hoeneß?

Hoeneß hat seine Haftstrafe am 2. Juni in Landsberg am Lech angetreten. Jetzt, genau sieben Monate später, ist er Freigänger. Das deutet darauf hin, dass die Justizvollzugsanstalt in Landsberg am Lech die Aussetzung seiner Haftstrafe zur Bewährung für möglich hält. Entscheiden wird dies allerdings die Strafvollstreckungskammer beim zuständigen Landgericht.

"Es werden noch viele, harte Monate sein, bis wieder ein normaler Zustand erreicht ist", sagte Hoeneß' Bruder Dieter zu "sport1.de". Aber die Familie sei "froh und erleichtert, dass es jetzt ganz langsam, aber sicher etwas aufwärts geht", so Dieter Hoeneß. "Uli hat jetzt wieder eine Perspektive." Eine Vorzugsbehandlung seines Bruders sieht er nicht. "Von Promi-Bonus kann da gar keine Rede sein."

aar/hut/dpa/AFP

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