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Umstrittene Polizeiwaffe: Neuer Todesfall nach Taser-Einsatz

Die umstrittene Taser-Pistole erweist sich immer mehr als lebensgefährliche Waffe: Erst kürzlich dokumentierte ein erschreckendes Video, wie ein Flugpassagier nach dem Einsatz von Elektroschock-Waffen starb. Jetzt setzten Beamte erneut Taser ein - wieder ist ein Mann tot.

Vancouver - Der 36-jährige Robert Knipstrom starb in einem Krankenhaus in Chilliwack, einer Stadt in der kanadischen Provinz British Columbia - vier Tage nach einer Konfrontation mit der dortigen Polizei.

Knipstrom war in einem Kaufhaus durch "unberechenbares Verhalten" auffällig geworden, berichtet die kanadische Tageszeitung "Globe & Mail", ohne näher auszuführen, wie sich dieses Verhalten genau äußerte.

Dem Polizeibericht zufolge soll Knipstrom "extrem aufgebracht, agitiert und streitlustig" gewesen sein. Die beiden Beamten, die am Einsatzort eintrafen, müssen massiv gegen den Mann vorgegangen sein: Sie setzten Pfefferspray, Taser und ihre Schlagstöcke ein - und riefen Verstärkung. Offenbar gelang es den Polizisten schließlich, Knipstrom zu überwältigen: Er wurde festgenommen und dann nicht auf die Wache, sondern sofort in ein Krankenhaus gebracht.

Knipstrom sei zu diesem Zeitpunkt bei Bewusstsein gewesen und habe sich "artikulieren können", heißt es laut "Globe & Mail" im Polizeibericht.

Jetzt ist Knipstrom tot, vier Tage nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus. Die pathologischen Untersuchungen laufen. Vor allem soll geklärt werden, ob das "Maß an Gewalt", das die Polizisten anwendeten, angemessen war, inklusive des Taser-Einsatzes, bei dem Stromstöße von 50.000 Volt durch den Körper des Getroffenen jagen.

Erst im vergangenen Monat war der 40-jährige Pole Robert Dzeikanski auf qualvolle Weise gestorben, nachdem die kanadische Polizei ihn am Flughafen von Vancouver mit einem Elektroschocker betäubt hatte.

Der Vorfall wuchs sich vorvergangene Woche zu einem Skandal aus, als ein bis dato unter Verschluss befindliches Amateurvideo belegte, dass Dzeikanski ganz offensichtlich psychisch verwirrt und zudem des Englischen nicht mächtig war - der massive Polizeieinsatz gegen den eher hilflos denn gewalttätig scheinenden Dzeikanski wirkte überzogen und brutal.

Seitdem steht die kanadische Polizei, die sogenannten "Mounties", in der Kritik. Der Fall Dzeikanski löste eine bilaterale Krise zwischen Polen und Kanada aus, ein Sprecher der polnischen Botschaft kritisierte unverhohlen den Einsatz von Elektroschockwaffen durch Mounties.

Stockwell Day, Minister für Öffentliche Sicherheit, musste im Parlament Rechenschaft über den Stand der Ermittlungen ablegen und kündigte an, die Eignung von Tasern bei Polizeieinsätzen solle "überprüft" werden.

Als Reaktion auf den Tod des Polen hatte der Uno-Ausschuss gegen Folter den Einsatz von Elektroschock-Pistolen scharf verurteilt. Der Gebrauch der Taser sei eine "Form von Folter".

pad/AFP

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Taser: 50.000 Volt in den Körper

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