Umweltkatastrophe: "Prestige"-Kapitän weist Vorwürfe zurück

Tausende Tonnen Öl liefen aus, Hunderte Kilometer Küste wurden verseucht: Die Havarie des Öltankers "Prestige" ist die schlimmste Umweltkatastrophe in der Geschichte Spaniens. Nun wird der Fall vor Gericht aufgearbeitet. Der angeklagte Kapitän ist sich keiner Schuld bewusst - und weinte dennoch.

Öltanker "Prestige": Umweltkatastrophe vor Spaniens Küste Fotos
AFP

La Coruña - Zehn Jahre nach dem Untergang des Öltankers "Prestige" hat der damalige Kapitän jede Verantwortung für die Katastrophe von sich gewiesen. Über den schlechten Zustand des Tankers sei er nicht im Detail unterrichtet gewesen, sagte der 77-jährige Grieche Apostolos Mangouras bei seiner Anhörung vor einem spanischen Gericht in La Coruña.

Die "Prestige" war mit 77.000 Tonnen Schweröl an Bord am 13. November 2002 vor der Nordwestküste Spaniens leckgeschlagen. Am 19. November zerbrach das Schiff in zwei Teile und sank mit seiner giftigen Fracht auf den Meeresgrund. Ein großer Teil des Schweröls strömte ins Meer und löste die größte Umweltkatastrophe in der spanischen Geschichte aus.

Die Nordküste der Iberischen Halbinsel wurde von Nordportugal bis nach Südwestfrankreich mit giftigem Ölschlamm verseucht. Zehntausende Seevögel verendeten, der Gesamtschaden wird auf vier Milliarden Euro geschätzt. Etwa 13.000 Tonnen Öl wurden später aus dem in vier Kilometer Tiefe liegenden Wrack abgepumpt.

Angeklagter weint im Gerichtssaal

Er habe vor dem Unglück gewusst, dass die Tanks eine gewisse Korrosion aufgewiesen hätten, sagte Mangouras. Er sei aber kein Techniker und habe das Ausmaß der Schäden nicht einschätzen können. An den technischen Inspektionen des Schiffes habe er nicht teilgenommen. Mangouras brach während seiner Aussage in Tränen aus, als er auf den Untergang des Tankers zu sprechen kam.

Umweltschützer protestierten vor dem Gericht dagegen, dass die eigentlichen Verantwortlichen aus der Politik nicht zur Rechenschaft gezogen würden. Auch Mangouras machte die spanischen Politiker für die Katastrophe mitverantwortlich. Die damalige Anweisung, den leckgeschlagenen Tanker auf das offene Meer hinauszuschleppen, sei ein Fehler gewesen. Er sei damals davon ausgegangen, dass das Schiff in einen Hafen geschleppt werden sollte.

Der damalige Kapitän ist der Hauptangeklagte in dem Verfahren vor dem Landgericht der nordwestspanischen Hafenstadt. Ihm werden unter anderem Umweltvergehen und die Missachtung von Anweisungen der spanischen Behörden zur Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft fordert zwölf Jahre Haft.

Neben Mangouras sind der ebenfalls aus Griechenland stammende Maschinist der "Prestige" und der damalige Chef der spanischen Hafenbehörden angeklagt. Ein vierter Angeklagter, der von den Philippinen stammende Erste Offizier des Tankers, ist flüchtig. Das Urteil in dem Prozess wird für September 2013 erwartet.

ulz/dpa/AFP

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