Unfallflucht-Prozess: Böhse-Onkelz-Sänger muss ins Gefängnis

Im Drogenrausch verursachte Kevin Russell mit seinem Sportwagen einen Unfall und verletzte zwei Menschen schwer: Deshalb muss der frühere Sänger der Rockband Böhse Onkelz für mehr als zwei Jahre hinter Gitter. Die Staatsanwaltschaft hatte sogar noch eine höhere Strafe gefordert.

Kevin Russell vor Gericht: "Er ist nicht mehr der Alte" Fotos
REUTERS

Frankfurt/Main - Die Richter ließen etwas Milde walten - und doch wird der ehemalige Böhse-Onkelz-Sänger Kevin Russell wohl eine Haftstrafe abzusitzen haben. Der wegen Straßenverkehrsgefährdung und Unfallflucht angeklagte Musiker wurde am Montag zu zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt.

Nach Überzeugung der Kammer hat Russell am Silvesterabend 2009 unter Drogeneinfluss mit Tempo 230 auf der Autobahn von Wiesbaden nach Frankfurt einen Unfall verursacht, bei dem zwei junge Männer lebensgefährlich verletzt wurden. Der Leadsänger der vor fünf Jahren aufgelösten Band nahm das Urteil gefasst auf. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre und vier Monate Haft gefordert.

Mit den genetischen Spuren Russells am Airbag des 420 PS starken Sportwagens stehe fest, "dass er mit eins zu zehn Milliarden der Fahrer war", sagte der Vorsitzende Richter Klaus Eckhardt in der Urteilsbegründung. Der Unfall habe schwere Folgen für die beiden jungen Männer gehabt. Es sei tragisch, dass sie noch heute daran litten. "Die einzige Ursache für diesen Unfall war fahrerisches Versagen", sagte Eckhardt in der Urteilsbegründung. "Dieses Versagen ist nur erklärlich durch Drogen und Medikamente."

Zu den Vorwürfen geschwiegen

Russell hatte an den drei Prozesstagen zu den Vorwürfen geschwiegen, nach dem Unfall aber einen anderen als Fahrer angegeben. Dieser Kumpel hatte sich im Beisein von Russells Anwalt auch bei der Polizei der Tat bezichtigt. Am Unfallort hatte sich der Sänger kurz vergewissert, dass den beiden Männern in dem brennenden Autowrack geholfen wird, dann war er zu Fuß über die Felder geflüchtet. Die Verteidigung hatte kein Strafmaß genannt. Sie hatte aber darauf hingewiesen, dass Zweifel an der Täterschaft Russells bleiben. Der Sänger der vor fünf Jahren aufgelösten Band sei zudem ein "schwer kranker Mann".

"Wir hatten gehofft, Kevin würde persönlich zu den Vorkommnissen Stellung beziehen", schrieben seine ehemaligen BandkollegenStephan Weidner und Peter Schorowsky auf der Homepage der Band. Nun müssten sie den Fans ihre Sicht der Dinge schildern.

Durch Russells Verhalten sei die mittlerweile aufgelöste Rockband Böhse Onkelz "Zielscheibe der Presse" geworden, heißt es in der Mitteilung. Die Mitglieder müssten befürchten, dass er "unsere Glaubwürdigkeit und unser Lebenswerk in Frage stellt".

In den vergangenen Jahren habe sich Russell ein neues Umfeld zugelegt und "auf Einflüsterungen gehört, die nicht gut für ihn waren". Dabei seien Dinge passiert, die irreparable Schäden hinterlassen hätten. "Der Kevin, der dieser Tage auf der Anklagebank sitzt, ist nicht mehr der Kevin, mit dem wir gemeinsam all die Jahre durch dick und dünn gegangen sind."

aar/jdl/dpa/dapd

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