Zwangsprostitution: Verfahren gegen Ex-United-Tribuns-Mitglied "Gonzo" eingestellt

Das Amtsgericht Heilbronn hat das Verfahren wegen versuchten Menschenhandels gegen das ehemalige United-Tribuns-Mitglied Jorge P., genannt "Gonzo", eingestellt. Die Frau, die er zur Prostitution gezwungen haben soll, kann sich an nichts mehr erinnern.

MySpace-Seite der United Tribuns: Zeugin mit Erinnerungslücken Zur Großansicht

MySpace-Seite der United Tribuns: Zeugin mit Erinnerungslücken

Hamburg - "Gonzo" ist glücklich. Jorge P., so sein bürgerlicher Name, war wegen versuchten Menschenhandels, Nötigung und unerlaubten Besitzes von Arzneimitteln angeklagt. Nun hat das Amtsgericht Heilbronn das Verfahren hinsichtlich des Hauptvorwurfs wegen versuchten Menschenhandels - sprich: Zwangsprostitution - eingestellt. "Die Zeugin konnte sich nicht mehr an die Vorfälle erinnern", sagte der Sprecher des Amtsgerichtes.

"Gonzo", 37, ein Schrank mit polierter Glatze, war viele Jahre Türsteher in Heidelberg - und United-Tribuns-Präsident der Esslinger "Bruderschaft". Die Staatsanwaltschaft Heilbronn hatte ihm unter anderem vorgeworfen, versucht zu haben, eine Frau zur Prostitution zu zwingen, ihr mit Prügel gedroht und sie erfolglos dazu gedrängt zu haben, ein Formular auszufüllen, auf dem sie Auskunft unter anderem zu ihrem Alter, Größe, Gewicht und sexuellen Vorlieben geben sollte.

Diese Vorwürfe konnte die Frau vor Gericht nicht bestätigen. "Aufgrund gesundheitlicher Probleme kann sie sich derzeit nur an Vorgänge erinnern, die weniger als eine Woche zurückliegen", sagt "Gonzos" Verteidiger Nicolas Frühsorger aus München. In einem sogenannten Rechtsgespräch habe der Staatsanwalt daher angekündigt, im Fall der Hauptbelastungen nicht weiter zu ermitteln.

Urteil mit Wasser gefeiert

Sein Mandant "Gonzo" sei erleichtert. "Immerhin stand eine mehrjährige Haftstrafe im Raum", so Frühsorger. Bei einer Durchsuchung der Wohnung des ehemaligen United-Tribuns-Mitglieds hatten Ermittler Dopingpräparate gefunden. Den Besitz räumte "Gonzo" vor Gericht ein, ebenso die Nötigung. Demnach hatte er dem damaligen Lebensgefährten der Frau gedroht, ihn mit einem Baseballschläger totzuschlagen. Dieser Mann sitzt derzeit wegen Verdacht des Raubs in Untersuchungshaft.

Das Schöffengericht verurteilte Jorge P. für die Nötigung unter Einbeziehung einer früheren Verurteilung zu weiteren 30 Tagessätzen à 16 Euro. "Ein durchaus mildes Urteil für meinen Mandanten", so Frühsorger. "Da alle Prozessbeteiligten erklärt haben, keine Rechtsmittel einzulegen, ist das Urteil bereits rechtskräftig", sagte der Sprecher des Gerichts.

Hat "Gonzo" den Ausgang des Verfahrens gebührend gefeiert? "Mein Mandant ist Sportler, trinkt kaum Alkohol", sagte sein Verteidiger. "Beim anschließenden gemeinsamen Mittagessen trank er eine Flasche Wasser."

jjc

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insgesamt 5 Beiträge
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1. 1prozent
maxderzweite 19.02.2013
In jeder erfolgreichen Gesellschaft gibt es dunkle Ecken, zum vergessen...
2. optional
daldner 19.02.2013
Dann ist der Rechtfrieden ja wieder hergestellt. Man kann sich in dieser Gesellschaft eben doch eine ganze Menge "Freiheiten" gönnen, wenn man weiß, wie es geht. Und der wohlerzogene Untertan kriegt schon ein schlechtes Gewissen, wenn er mal falsch parkt.
3. Alles Bestens
Werner655 19.02.2013
Zitat von daldnerDann ist der Rechtfrieden ja wieder hergestellt. Man kann sich in dieser Gesellschaft eben doch eine ganze Menge "Freiheiten" gönnen, wenn man weiß, wie es geht. Und der wohlerzogene Untertan kriegt schon ein schlechtes Gewissen, wenn er mal falsch parkt.
30 Tagessätze à 16 Euro...keine weiteren Fragen. Es wäre natürlich bösartig, die Vermutung in den Raum zu stellen, dass hier jemandem "gut zugesprochen" wurde. Der an "einwöchiger Amnesie" leidenden Hauptbelastungszeugin ebenso, wie dem Staatsanwalt, dessen Adresse ja wohl auch bekannt sein dürfte. Also auf zum "Rechtsgespräch"... Keine weiteren Fragen!
4.
funnyone2007 19.02.2013
Und wieder ein Urteil, bei dem sich solch Leute ins Fäustchen lachen und Zeugen udn Opfer noch mehr zweifeln überhaupt auszusagen.. Die Medien könnten mal recherchieren, wieso immer so einseitig geurteilt wird.. z.b. auchz mit dem rehionalen Bezug Pforzheim. Die Hells Angels dort wurden zu haftstrafen verurteilt, der Club HA Pforzheim verboten. die Ermittlungen gegen einen United Tribun, der einen Hells Angel mit dem Messer lebensgefährlich verletzt hat, aber eingestellt und die United Tribuns (Türstehervereinigung aus Migranten, kein Rockerclub) wurden NICHT verboten obwohl bei Razzien Maschinenpistolen bei denen gefunden wurden. Da muss man sich schon fragen wieso und wieso die von der Justiz so lasch behandelt werden.
5. optional
20099 20.02.2013
Das ist kein straf- sondern ein ausländerrechtliches Problem! Wer verlängert eigentlich "Fachkräften" im Bereich Türsteherrei, Drogenhandel und Prostitution die Aufenthaltsgenehmigung?
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