Uno-Drogenbericht Mafia setzt auf Aufputschmittel

Heroin und Kokain sind auf dem Rückmarsch, dafür setzt die Mafia nun verstärkt auf aufputschende Drogen und Medikamente. Das geht aus dem Uno-Drogenbericht hervor. Fast 40 Millionen Menschen sollen weltweit Amphetamine konsumieren.


New York - Die Produktion von Heroin und Kokain geht weltweit zurück, während illegal hergestellte Aufputschmittel und Arzneien immer mehr Abnehmer finden. Das geht aus dem Jahresbericht des Uno-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Die Zahl der Konsumenten von Partydrogen auf Amphetaminbasis wird auf bis zu 40 Millionen geschätzt. Damit könnte diese Gruppe bald größer sein als der Kreis jener, die nach Opiaten und Kokain süchtig sind.

Dem UNODC zufolge ist die Anbaufläche für Opium seit zwei Jahren um fast ein Viertel gesunken. Die Herstellung von Kokain sei um rund 18 Prozent gefallen. Aus Afghanistan stammen weiter 90 Prozent des Rohopiums für den Heroinmarkt. Mehr als 12.000 Tonnen würden noch im Land gelagert, lautet die Annahme des UNODC. Das entspreche in etwa den Ernten aus zweieinhalb Jahren.

In den USA stellte das Büro der Vereinten Nationen einen deutlichen Rückgang beim Konsum von Kokain fest. "Ein Grund für die Bandenkriege in Mexiko liegt darin, dass Drogenkartelle um Anteile in einem schrumpfenden Markt kämpfen", sagte der Leiter des UNODC, Antonio Maria Costa. In Europa sei dagegen mehr Kokain im Umlauf. Das habe auch zu neuen Schmuggelrouten für den Suchtstoff von den Andenstaaten über Westafrika nach Europa geführt.

Die Mafia stieg wegen der vergleichsweise billigen Herstellung in geheimen Labors ins große Geschäft mit synthetischen Aufputschmitteln ein. Die Drogenfabriken im Untergrund können laut UNODC direkt auf die Nachfrage nach bestimmten Stoffen reagieren und diese produzieren. Auch die Vertriebswege zwischen Hersteller und Konsument seien kurz, wodurch für die Behörden das Aufspüren des Rauschgifts erschwert werde.

Cannabis ist dem Bericht zufolge weiter die Droge mit der größten Verbreitung. Sie wird in nahezu jedem Land angebaut. Das UNODC geht davon aus, dass 130 bis 190 Millionen Menschen Cannabis mindestens einmal pro Jahr rauchen, auch wenn diese Zahl nichts darüber aussagt, wie viele von der Substanz abhängig sind.

jdl/Reuters



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