Korruptionsskandal: Juan Carlos' Schwiegersohn sucht Deal mit Justiz

Iñaki Urdangarin, Schwiegersohn des spanischen Königs Juan Carlos, soll Steuergelder in Millionenhöhe veruntreut haben. Vor Gericht beteuerte der ehemalige Handballstar erst seine Unschuld. Zeitungen berichten nun, er werde sich schuldig bekennen - unter bestimmten Bedingungen.

Iñaki Urdangarin: Juan Carlos' ungeliebter Schwiegersohn Fotos
REUTERS

Hamburg - Das spanische Königshaus bekommt es derzeit ganz dicke: König Juan Carlos' 13-jähriger Enkel schoss sich bei Übungen in den Fuß, Majestät selbst stürzte in seinem Botswana-Urlaub und brach sich Hüfte in drei Teile. Nur so erfuhr die breite Öffentlichkeit, dass der König auf Elefanten-Pirsch war, wofür er sich offiziell entschuldigte und parallel zu dem ganzen Desaster ist sein Schwiegersohn Iñaki Urdangarín derzeit wegen Korruption angeklagt.

Wie drei große spanische Zeitungen am Dienstag berichten, will der Ehemann der Königstochter Cristina die Vorwürfe der Ermittler nicht mehr abstreiten. Der frühere Handballstar und sein ehemaliger Geschäftspartner Diego Torres seien vielmehr bereit, sich als schuldig zu bekennen und sich dazu zu verpflichten, die unterschlagenen Gelder zurückzuzahlen.

Im Gegenzug solle die Justiz den Beschuldigten eine Verurteilung zu Haftstrafen ersparen und es bei Bewährungsstrafen belassen, meldeten die Madrider Zeitungen "El País" und "El Mundo" sowie das in Barcelona erscheinende Blatt "El Periódico de Catalunya".

Der Herzog von Palma steht im Verdacht, als Chef einer gemeinnützigen Stiftung staatliche Fördergelder kassiert und einen Teil davon auf private Konten abgezweigt sowie in Steuerparadiese ins Ausland geschafft zu haben.

"Ich bin gekommen, um meine Ehre wiederherzustellen"

Der 44-jährige Urdangarín war der erste Angehörige des Königshauses, der in einem Finanzskandal als Beschuldigter vor Gericht erscheinen musste. Bei seiner Vernehmung im Februar hatte er alle Vorwürfe bestritten und versucht, die Verantwortung seinem ehemaligen Geschäftspartner zuzuschieben. Er konnte den Ermittlungsrichter aber nicht von seiner Unschuld überzeugen.

Dabei hatte Iñaki Urdangarin emotional alles gegeben: "Ich bin gekommen, um die Wahrheit zu klären und meine Ehre wiederherzustellen", hatte er gegenüber Journalisten, die ihn vor dem Gericht in Palma de Mallorca abgefangen hatten, beteuert.

Ermittlungsrichter José Castro legt Urdangarin zur Last, allein mit der Organisation zweier Konferenzen in Palma de Mallorca einen Großteil der von der Regierung der Balearen gewährten Mittel - insgesamt 2,3 Millionen Euro - in ihre Privatfirmen geschleust zu haben.

Urdangarin hat sich jedoch - obwohl er bis jetzt die Vorwürfe bestritten hat - öffentlich dafür entschuldigt, die königliche Familie in Verlegenheit gebracht zu haben. König Juan Carlos war wegen der Ermittlungen zu seinem Schwiegersohn auf Distanz gegangen und hatte ihn von allen offiziellen Terminen des Königshauses streichen lassen.

Als 2006 der erste Verdacht der Korruption gegen Urdangarin aufgetaucht war, hatte der König seinen Schwiegersohn dazu bewegt, den Vorsitz der Stiftung Nóos niederzulegen und zum spanischen Telefónica-Konzern zu wechseln. Drei Jahre später zogen Urdangarin und seine Frau mit ihren vier Kindern nach Washington. Dort leben sie auch heute noch. Urdangarin arbeitet als Berater für Telefónica.

jjc/dpa

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