Urteil im Fall Ursula Herrmann Bruder bekommt Schmerzensgeld

Ursula Herrmann erstickte 1981 in einer vergrabenen Kiste. Der verurteilte Entführer Werner M. muss 7000 Euro Schmerzensgeld an ihren Bruder zahlen. Kläger und Beklagter zeigten sich nach dem Verfahren enttäuscht.

Michael Herrmann
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Michael Herrmann


Das Landgericht Augsburg hat Michael Herrmann, dem Bruder der 1981 entführten und in einer Kiste erstickten Ursula Herrmann, Schmerzensgeld zugesprochen. Werner M., wegen der Entführung der damals Zehnjährigen verurteilt, muss 7000 Euro zahlen. Nach diesem Urteil ist klar, dass die Zivilkammer M. weiter für den Täter hält.

Eine Strafkammer des Augsburger Landgerichts verurteilte M. nach einem Indizienprozess 2010 wegen erpresserischen Menschenraubs mit Todesfolge zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Er bestreitet jedoch seine Schuld. Auch Michael Herrmann bezweifelt, dass M. tatsächlich der Entführer seiner Schwester ist.

Herrmann hatte 20.000 Euro Schmerzensgeld gefordert, weil er durch die Tat und den Strafprozess schwere psychische Schäden und einen Tinnitus bekommen habe. Er machte nach dem Urteil noch einmal klar, dass er darauf gehofft habe, durch den Zivilprozess Sicherheit über die Täterschaft des Verurteilten zu erhalten. Dies sei nicht gelungen. Vielmehr gehe er inzwischen davon aus, dass der falsche Mann im Gefängnis sitze. Insofern äußerte sich Herrmann enttäuscht über das Urteil.

Vor wenigen Tagen hatte er bereits in einem offenen Brief geschrieben, dass vieles dafür spreche, "dass ein Unschuldiger seit zehn Jahren im Gefängnis sitzt. Die Menschen, die den Tod meiner Schwester zu verantworten haben, leben in Freiheit." In dem Schreiben erhob er auch schwere Vorwürfe gegen die bayerische Justiz und warf dem Gericht mangelnden Aufklärungswillen vor.

Werner M. schrieb in einem Brief an das Gericht, Herrmanns Schmerzensgeldforderung sei "durchaus berechtigt, aber nicht mir gegenüber". Er beharrt darin erneut darauf, dass er unschuldig sei: "Wie schon mehrfach erklärt, habe ich mit der Entführung und dem Tod seiner Schwester nicht das Geringste zu tun!"

Der Fall Ursula Herrmann gehört zu den spektakulärsten Verbrechen in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Schülerin war im Jahr 1981 am oberbayerischen Ammersee in einer vergrabenen Kiste eingesperrt worden, sie erstickte darin.

bbr/till/dpa



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