Urteil Andreas Türck freigesprochen

Der Fernsehmoderator Andreas Türck ist vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden. Das Frankfurter Landgericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die am Ende selbst für Freispruch plädiert hatte.


Moderator Türck am Urteilstag: Selbst die Staatsanwaltschaft forderte Freispruch
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Moderator Türck am Urteilstag: Selbst die Staatsanwaltschaft forderte Freispruch

Frankfurt/Main - Die 27. Große Strafkammer des Frankfurter Landgerichts unter Vorsitz der Richterin Bärbel Stock sah es in seinem Urteil nicht als bewiesen an, dass der 36-Jährige eine Bankkauffrau zum Oralsex gezwungen habe. Es folgte damit den Anträgen der Verteidigung und der Staatsanwaltschaft.

Die Staatsanwaltschaft hatte ihre eigene Anklage nicht mehr für beweisbar gehalten, nach der Türck vor drei Jahren eine flüchtige Barbekanntschaft auf einer Frankfurter Main-Brücke mit Gewalt zum Oralsex gezwungen haben soll. Lediglich die Anwältin der Nebenklägerin hat am Vergewaltigungsvorwurf festgehalten.

Nebenklägerin Katharina B.: Mangelnde Glaubwürdigkeit
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Nebenklägerin Katharina B.: Mangelnde Glaubwürdigkeit

Staatsanwalt Wilhelm Möllers hatte am Dienstag die Kehrtwende seiner Behörde mit dem Gutachten des Berliner Psychologie-Professors Max Steller begründet, das bei Anklageerhebung nicht vorgelegen habe. Der als Koryphäe geltende Steller hatte der 29 Jahre alten Nebenklägerin mangelnde Glaubwürdigkeit bescheinigt und es sogar nicht ausgeschlossen, dass sie bewusst die Unwahrheit sage.

Bereits eine erste Gutachterin hatte schwere psychische Probleme bei der zwischenzeitlich drogensüchtigen Bankkauffrau festgestellt. Die junge Frau hatte von sich aus keine Anzeige gegen Türck erstattet, sondern lediglich einem Freund am Telefon davon erzählt, das aber von der Drogenfahndung abgehört wurde. Monate später wurde schließlich ein Ermittlungsverfahren gegen Türck eröffnet, das zu dem Prozess führte. Der zuletzt beim Sender ProSieben aktive Moderator hatte stets seine Unschuld beteuert.

Die Vorsitzende Richterin verteidigte bei der Urteilsverkündung die Eröffnung des Verfahrens gegen Türck. Die Kammer habe einen "hinreichenden Tatverdacht" gesehen, sagte Stock. Es hätten gewichtige Indizien für eine Eröffnung des Verfahrens gesprochen. Sie begründete dies unter anderem damit, dass bei Katharina B. keine Motivation für falsche Angaben erkennbar gewesen sei. So habe sie nicht beabsichtigt, den Angeklagten zu beschädigen. Die junge Frau hatte nach der angeblichen Tat keine Anzeige erstattet, sondern sich einem Freund am Telefon anvertraut. Dieses Gespräch hörte allerdings die Polizei mit, weil die Drogenfahnder hinter dem Mann her waren. Besonders die Verteidigung hatte kritisiert, dass es zu dem Prozess gekommen war.

Die Anwälte Türcks zeigten sich erfreut über den Freispruch für ihren Mandanten. Sie seien "glücklich", sagte seine Verteidigerin Susanne Wagner. Ihr Kollege Rüdiger Weidhaas betonte allerdings zugleich, dass es in diesem Verfahren "nur Verlierer" gebe. Türck selbst äußerte sich zunächst nicht öffentlich zu dem Urteil und seiner Zukunft. Sein früherer Sender ProSieben hatte ihm bereits nach dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft eine mögliche Wiederanstellung in Aussicht gestellt.

Richterin Stock kritisierte in ihrer Urteilsbegründung auch massiv, wie teilweise über den Prozess in den Medien berichtet wurde. Türck sei von manchen bereits vor dem Verfahren verurteilt worden. Auch für Katharina B., die in dem Verfahren als Nebenklägerin auftrat und an jedem Verhandlungstag im Gerichtssaal war, sei der Prozess schlimm gewesen. Sie sei durch ein Fegefeuer gegangen, sagte Stock. Die 29-Jährige war auch zu der Verkündung des Urteils gekommen.



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