Urteil Bewährungsstrafe für Günther Kaufmann

Späte Konsequenz eines spektakulären Prozesses: Weil er behauptete, seinen Steuerberater getötet zu haben, und zwei Unschuldige belastete, ist Schauspieler Günther Kaufmann zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Kaufmann sagte, er bereue sein Verhalten inzwischen sehr.


München - Das Amtsgericht München verurteilte Kaufmann heute wegen Freiheitsberaubung in einem besonders schweren Fall in Tateinheit mit falscher Verdächtigung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung. Der 58-Jährige muss außerdem 5000 Euro an zwei gemeinnützige Einrichtungen zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Kaufmann hatte im Jahr 2002 vor dem Münchner Landgericht ein falsches Geständnis abgelegt und sich selbst als Verantwortlichen für den Tod seines Steuerberaters bezichtigt. In diesem Geständnis hatte er zwei Männer als Mittäter beschuldigt; einer der beiden saß deshalb drei Wochen unschuldig in Untersuchungshaft. In der Urteilsbegründung des Gerichts hieß es, es sei "kein Kavaliersdelikt", jemanden eines der schlimmsten Verbrechen zu beschuldigen.

Der durch Filme des verstorbenen Regisseurs Rainer Werner Fassbinder bekannt gewordene Mime war selbst im November 2002 zu 15 Jahren Haft wegen räuberischer Erpressung mit Todesfolge verurteilt worden. Erst nachdem die wahren Täter, die den Steuerberater im Auftrag von Kaufmanns mittlerweile verstorbener Frau brutal überfallen und ihm dabei tödliche Verletzungen zugefügt hatten, verpfiffen wurden, kam Kaufmann nach insgesamt 33 Monaten Haft wieder frei.

Als Motiv für sein falsches Geständnis gab Kaufmann später an, er habe seine von ihm abgöttisch geliebte Frau schützen wollen. Außerdem warf er der Polizei vor, ihn durch harte Verhöre zur Falschaussage bewegt zu haben. Kaufmann hatte angegeben, er sei "massiv unter Druck gesetzt worden" mit den Worten, "wenn du die Namen nicht nennst, gibt es lebenslang". Wer ihn unter Druck setzte, wollte er jedoch nicht sagen. Er bereue sein Verhalten inzwischen zutiefst. Der Schauspieler sagte: "Es tut mir leid bis zum Rest meines Lebens." Er habe an die beiden Schadenersatz in Höhe von 13.000 und 15.000 Euro geleistet.

ffr/AFP/ddp



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