Urteil: Entführer Thomas Wolf muss mehr als 13 Jahre in Haft

Er war einer der meistgesuchten Verbrecher in Deutschland - bis zu seiner Festnahme im Mai 2009: Nun ist Thomas Wolf vom Landgericht Wiesbaden zu 13 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Er hat eine Bankiersgattin entführt und zwei Banken überfallen.

Thomas Wolf am Dienstag vor dem Landgericht Wiesbaden Zur Großansicht
dapd

Thomas Wolf am Dienstag vor dem Landgericht Wiesbaden

Wiesbaden - In seiner Abschlusserklärung hatte sich der Entführer und Bankräuber Thomas Wolf noch einmal für seine Taten entschuldigt. Bei den Schilderungen der Opfer habe er "Mitleid und Scham" empfunden, sagte der 58-Jährige am Dienstag vor dem Wiesbadener Landgericht. Unabhängig von der Strafe sei seine "kriminelle Karriere unwiderruflich beendet".

Nun steht seine Strafe fest: Das Gericht verurteilte ihn zu 13 Jahren und sechs Monaten Haft. Der Vorsitzende Richter sprach Wolf des erpresserischen Menschenraubs und der schweren räuberischen Erpressung in drei Fällen schuldig. Wolf war angeklagt, im März 2009 eine Wiesbadener Bankiersgattin entführt und 1,8 Millionen Euro Lösegeld erpresst zu haben. Neben der Entführung wurden ihm in dem Prozess noch zwei frühere Banküberfälle in Hamburg und den Niederlanden zur Last gelegt.

Die Verteidigung hatte eine Haftstrafe von weniger als zehn Jahren gefordert. Als strafmildernd wertete Wolfs Anwalt unter anderem das umfangreiche Geständnis des Angeklagten.

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits vergangene Woche in ihrem Plädoyer 15 Jahre Haft gefordert, aufgrund der neuen Rechtssprechung jedoch auf die Beantragung einer Sicherungsverwahrung verzichtet. Der nach einem Zeckenbiss an Borreliose erkrankte Wolf war während des ganzen Verfahrens nur eingeschränkt verhandlungsfähig.

Wolf musste sich in seinem Leben wegen zahlreicher Verbrechen vor Gericht verantworten, unter anderem wegen Bankraubs, Betrugs, Geiselnahme und Gefängnismeuterei. Er wurde bereits zu 22 Jahren Haft verurteilt, hat bis heute seine Strafe aber nicht komplett abgesessen. Mehrfach floh er aus Gefängnissen und Kliniken, so 1982 und 1989. 1988 zersägte er die Gitterstäbe seiner Zelle und entkam aus der JVA Gütersloh.

Bis zu seiner Verhaftung galt Wolf als einer der meistgesuchten Verbrecher in Deutschland. Die Polizei schnappte ihn am 28. Mai 2009 in dem Hamburger Lokal Lehmitz auf der Reeperbahn. Er ließ sich ohne Gegenwehr festnehmen.

ala/bim/dapd/dpa

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1. Besser als gar nichts!
ZiehblankButzemann 13.12.2011
Wenigstens mal einen, den sie beim Räuber & Gendarm Spiel gefangen haben. Haftlänge ist ganz o.k. , wenn sie ihn nicht schon wegen guter Führung oder weil er zu Jesus gefunden hat, wieder etliche Jahre früher rauslassen. Verbrechen lohnt nicht. Außer in Politik und Wirtschaft.
2. Merkwuerdiges Strafmass
knoeterfrosch 13.12.2011
Zitat von sysopEr war einer der meistgesuchten Verbrecher in Deutschland - bis zu seiner Festnahme im Mai 2009: Nun ist Thomas Wolf vom Landgericht Wiesbaden zu 13 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Er hat eine Wiesbadener Bankiersgattin entführt und zwei Banken überfallen. Urteil: Entführer Thomas Wolf muss mehr als 13 Jahre in Haft - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,803409,00.html)
Manchmal habe ich echt Schwierigkeiten, die verschiedenen Strafmasse zu verstehen. Sicherlich ist er ein Verbrecher. Aber 13 Jahre - Mensch, was muss man an Gewaltdellikten (Koerperverletzung, Vergewaltigung...alles verueben, um das zu bekommen). Junge Maenner, die nachts in der U-Bahn anderen den Schaedel eintreten sehen oft keinen Tag Knast. Also 5 Jahre haetten's auch getan, wenn man ausserdem bedenkt, dass der Taeter an einer schlimmen Krankheit leidet. Man sieht hier wiedermal, dass Eigentum wichtiger ist als die Wuerde des Menschen. Naja, das Opfer war halt reich.
3. xxx
Schleswig 13.12.2011
Zitat von sysopEr war einer der meistgesuchten Verbrecher in Deutschland - bis zu seiner Festnahme im Mai 2009: Nun ist Thomas Wolf vom Landgericht Wiesbaden zu 13 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Er hat eine Wiesbadener Bankiersgattin entführt und zwei Banken überfallen. Urteil: Entführer Thomas Wolf muss mehr als 13 Jahre in Haft - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,803409,00.html)
Zum Vergleich wie ein Mord in Hamburg geahndet wird. Bitter, ganz bitterhttp://www.mopo.de/nachrichten/-20-cent-mord--onur-k--kommt-mit-bewaehrungsstrafe-davon,5067140,11270944.html.
4. Endlich kann man mal wieder etwas Positives lesen.
Litajao 13.12.2011
Der arme Verbrecher, jetzt ist er auch noch krank, und hat sich bei seiner Verhaftung nicht einmal gewehrt und hat sich auch noch bei en Opfern entschuldigt. Und trotzdem wurde er bestraft! Ts, ts, unglaublich! Frage: Wie geht es eigentlich den Opfern? Entschuldigung, das ist ja eine Frage, die man die Deutschland nicht stellen soll, denn hier gilt offensichtlich Täterschutz vor Opferschutz!
5. Moment mal
ColynCF 13.12.2011
Zitat von knoeterfroschAber 13 Jahre - Mensch, was muss man an Gewaltdellikten (Koerperverletzung, Vergewaltigung...alles verueben, um das zu bekommen). Junge Maenner, die nachts in der U-Bahn anderen den Schaedel eintreten sehen oft keinen Tag Knast. Also 5 Jahre haetten's auch getan, wenn man ausserdem bedenkt, dass der Taeter an einer schlimmen Krankheit leidet.
Was bitte hat die Borreliose (an der übrigens viele Menschen leiden, mit der man aber sehr gut leben kann und die kein Verbrechen rechtfertigt) mit seinen Taten zu tun? Sie scheinen auch überhaupt nicht an die psychischen Qualen zu denken, die ein Entführungsopfer durchmachen muss. Die tage- wochenlange Ungewissheit und Todesangst? Hören Sie sich einmal die Schilderungen von Hr. Reemtsma an, wie er diese Folter beschreibt, die er durchmachen musste, obwohl ja auch seine Entführer eigentlich ganz "nett" zu ihm waren. Herr Wolf ist auch kein unbedarfter Ersttäter, sondern ein gewohnheitsmäßiger Gewaltverbrecher. Das einzige was man ihm zugute halten muss ist, dass er bisher offensichtlich vor der ultimativen Straftat, dem Mord, zurückgeschreckt ist. Das vielleicht aber auch nur aus Zufall. Wenn er jetzt seine "Karriere" für beendet erklärt, klingt das durchaus auch zynisch. Klar, der Mann ist 58, da denken ja viele Arbeitnehmer an den Vorruhestand. Und nicht nur Dachdecker können mit 70 nicht mehr aufs Dach, auch die Herren von der Panzerknacker Innung bringen irgendwann die Kraft für neue Taten nicht mehr auf. Aber ehrliche tätige Reue ist das ganz sicher nicht. Nein, mit den 13 Jahren ist Wolf gut bedient. Das lässt ihm die Chance irgendwann in Freiheit sterben zu dürfen. Das wie gesagt, sei ihm gegönnt, weil er selbst noch keinen Menschen getötet hat. Ein wichtiges Signal auch an die vielen anderen Verbrecher die (noch) in Freiheit herumlaufen. Das Signal, keinen Menschen zu töten und sich den Rest an Achtung und Milde durch die Gesellschaft nicht zu verscherzen.
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