Urteil Film über Kannibalen von Rotenburg darf ins Kino

Endgültige Niederlage für den sogenannten "Kannibalen von Rotenburg": Ein umstrittener Spielfilm über die grauenvolle Tat von Armin Meiwes darf gezeigt werden, so der Bundesgerichtshof. Die Kunst- und Filmfreiheit wiege schwerer als das Persönlichkeitsrecht.


Karlsruhe - Der jahrelange Rechtsstreit um den Kannibalenfilm "Rohtenburg" ist beendet: Der Bundesgerichtshof (BGH) hob am Dienstag ein Verbot des Psychothrillers einer US-Filmfirma auf. Damit ist der als "Kannibale von Rotenburg" bekannt gewordene Armin Meiwes in letzter Instanz gescheitert. Er hatte erreichen wollen, dass der Horrorfilm, der an sein Leben angelehnt ist, nicht in deutschen Kinos gezeigt werden darf.

Das Persönlichkeitsrecht des Klägers müsse in Abwägung mit der Kunst- und Filmfreiheit zurückstehen, entschieden die Karlsruher Richter. Zwar berührten die Darstellungen den besonders schutzwürdigen Kern der Privatsphäre des Klägers. Weil diese Informationen sich unmittelbar auf die Tat und die Person des Täters bezögen, dürften aber auch solche Details geschildert werden, hieß es weiter. An der Tat bestehe ein Informationsinteresse der Öffentlichkeit.

Im März 2001 hatte der damals 41-jährige Meiwes aus dem hessischen Rotenburg einen 43-jährigen Berliner Ingenieur auf dessen Wunsch hin entmannt und getötet. Er zerstückelte die Leiche, fror das Fleisch seines Opfers ein und aß es teilweise. Die Tat nahm er auf Video zur späteren sexuellen Stimulanz auf. 2006 wurde Meiwes wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der als "Real-Horrorfilm" beworbene Film "Rohtenburg" der Produktionsfirma Atlantic Streamline sollte ursprünglich schon im März 2006 in die Kinos kommen. Meiwes hatte sich jedoch zunächst erfolgreich gegen die Aufführung gewehrt und ein Verbot erwirkt. Auch in der zweiten Instanz war er erfolgreich, scheiterte nun aber am BGH.

"Zwar könne der Film den Kläger als Person erheblich belasten, weil er die Tat auf stark emotionalisierende Weise erneut in Erinnerung rufe", erklärte das BGH. Aber sämtliche Einzelheiten seien der Öffentlichkeit - auch durch Mitwirkung des Klägers - bereits bekannt.

Keine Einwände hatte Meiwes gegen eine TV-Dokumentation und ein Buch.

Meiwes legte laut BGH auch nicht dar, dass der Film neue oder zusätzliche nachteilige Folgen für ihn hätte - insbesondere im Hinblick auf seine Resozialisierung.

Aktenzeichen: Bundesgerichtshof VI ZR 191/08

siu/dpa/AFP/AP



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