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Prügelattacke in Bernburg: Versuchter Totschlag - jahrelange Haft für Rechtsextreme

Landgericht in Magdeburg: Vier Angeklagte schuldig gesprochen Zur Großansicht
DPA

Landgericht in Magdeburg: Vier Angeklagte schuldig gesprochen

Abdurrahman E. wurde am Bahnhof von Bernburg beinahe totgetreten: Rechtsextreme hatten ihn und seine Freundin angegriffen. Nun hat das Landgericht Magdeburg vier Täter wegen versuchten Totschlags schuldig gesprochen.

Magdeburg - Im Prozess um den brutalen Überfall auf einen türkischstämmigen Imbissbetreiber hat das Landgericht Magdeburg mehrere langjährige Haftstrafen verhängt. Die Kammer sprach vier der neun Angeklagten des versuchten Totschlags schuldig, einen von ihnen auch der Beleidigung. Die Freiheitsstrafen liegen zwischen fünf Jahren und acht Jahren plus zwei Monaten.

Fünf Angeklagte wurden einem Gerichtssprecher zufolge freigesprochen, weil ihnen eine Tatbeteiligung nicht nachgewiesen werden konnte.

Der Angriff ereignete sich im September 2013 in Bernburg (Sachsen-Anhalt), als Abdurrahman E. und seine Freundin gerade dabei waren, den Dönerladen im Bahnhof zu schließen. Laut Anklage bepöbelte einer der Männer zunächst die Freundin von Abdurrahman E., beschimpfte sie unter anderem als "Türkenschlampe".

E. kam seiner Freundin zur Hilfe und wurde schließlich von mehreren Männern überwältigt. Vier Angreifer traten laut Staatsanwaltschaft weiter auf E. ein, als der bereits bewusstlos war. Auch seine Freundin und ein weiterer Mitarbeiter des Dönerladens wurden verletzt. Ärzte versetzten E. zwei Wochen lang in einen künstlichen Tiefschlaf, er überlebte nur knapp.

Alle neun Angeklagten sind Ermittlern zufolge der rechten Szene zuzuordnen. Dennoch hatte die Staatsanwaltschaft den Angriff nicht als politisch motiviert angeklagt. Ein ausländerfeindliches Motiv habe sich nicht "mit notwendiger Sicherheit" feststellen lassen, hatte es in einer Stellungnahme geheißen. Nebenklage-Anwalt Sebastian Scharmer hatte von einer Verharmlosung rechtsextremer Gewalt gesprochen. (Mehr zu dem Fall lesen Sie hier.)

"Wir hatten zu prüfen, ob Ausländerhass als niedriger Beweggrund in Betracht kommt", sagte der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg. Ausländerfeindlichkeit habe mitgespielt, es seien auch rassistische Sprüche gefallen. Aber: "Es ist nicht zweifelsfrei feststellbar, dass es das tragende Motiv war." Vielmehr sei es eine spontane, nicht geplante Tat gewesen, so Sternberg. Dabei habe Alkohol eine Rolle gespielt - die Angeklagten wollten einen Junggesellenabschied feiern. Ein Zeuge habe außerdem gesagt, das Opfer selbst habe einen Stock geschwungen - was Abdurrahman E. jedoch bestritten hatte.

Zu Lasten der Angeklagten wurde die "brutale, menschenverachtende Tatausführung" bewertet. Ohne Notoperation hätte E. Gutachten zufolge nicht überlebt. Der Anwalt des Opfers, Sönke Hilbrans, kritisierte das Urteil. Die Täter hätten als Gruppe gehandelt. "Eine Verurteilung wegen versuchten Mordes wäre richtig gewesen." Er prüfe nun eine Revision.

hut/dpa/AFP

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