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Methadon-Tod einer Elfjährigen: Chantals Pflegeeltern zu Bewährungsstrafen verurteilt

Chantals Pflegeeltern vor Gericht: Urteil nach drei Jahren Zur Großansicht
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Chantals Pflegeeltern vor Gericht: Urteil nach drei Jahren

Die elfjährige Chantal starb in der Obhut ihrer Pflegeeltern, das Mädchen hatte eine Methadon-Tablette geschluckt. Im Prozess gegen die beiden wurde in Hamburg jetzt das Urteil gesprochen.

Hamburg - Drei Jahre nach dem Methadon-Tod der elf Jahre alten Chantal aus Hamburg hat das Landgericht sein Urteil gegen die angeklagten Pflegeeltern verkündet: Der Pflegevater des Mädchens wurde wegen fahrlässiger Tötung zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt, die Pflegemutter zu acht Monaten Haft auf Bewährung.

Chantal starb am 16. Januar 2012, nachdem sie in der Wohnung versehentlich eine sogenannte Methaddict-Tablette geschluckt hatte. Ihre Pflegeeltern Wolfgang A. und Sylvia L. - beide seit Jahrzehnten drogensüchtig - nahmen damals die Ersatzdroge Methadon.

Der 54-jährige Pflegevater hatte die im Sterben liegende Chantal sich selbst überlassen und war am Morgen zur Arbeit gegangen - ohne den Notarzt oder seine Lebensgefährtin zu verständigen. Die hatte den ganzen vorherigen Tag sowie die Nacht außer Haus verbracht.

Er habe nicht erkannt, dass Chantal bereits bewusstlos gewesen sei, sagte Wolfgang A. Die Verteidigung betonte, es habe sich um einen Unfall gehandelt: Die Pflegeeltern hätten immer darauf geachtet, die Methadon-Tabletten sicher in der Garage aufzubewahren. Die Ermittlungen nach Chantals Tod dokumentierten, wie vernachlässigt das Mädchen bei der Pflegefamilie gelebt haben muss: in einer verdreckten Wohnung, ohne eigenes Bett oder witterungsangemessener Kleidung, wie Staatsanwalt Florian Kirstein vor Gericht kritisierte.

Kirstein hatte für Wolfgang A. eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren gefordert, für Sylvia L. eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten: "Es war kein bedauerlicher Unfall, sondern eine schwere Straftat", sagte Kirstein in seinem Plädoyer. Mehr über die Hintergründe im Fall Chantal lesen Sie im SPIEGEL.

aar/dpa

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