Urteil: Vanessas Mörder muss in nachträgliche Sicherungsverwahrung

Die Staatsanwaltschaft hat sich im Fall Michael W. durchgesetzt: Der 30-Jährige muss in nachträgliche Sicherungsverwahrung. Dies entschied das Landgerichts Augsburg. W. hatte 2002 die zwölfjährige Vanessa mit 21 Messerstichen ermordet - für seine Tat saß er die Jugendhöchststrafe von zehn Jahren ab.

Mord an Vanessa: Sicherungsverwahrung für Michael W. Fotos
dapd

Augsburg - Der Mörder der zwölfjährigen Vanessa muss in nachträgliche Sicherungsverwahrung. Dies entschied die Jugendkammer des Landgerichts Augsburg am Donnerstag. Es gab damit nach monatelangen Verhandlungen dem Antrag der Staatsanwaltschaft statt.

Michael W. hatte sich am Abend des Rosenmontags 2002 mit einer "Scream"-Maske verkleidet und war in das Zimmer des Mädchens in Gersthofen bei Augsburg eingebrochen. Er tötete Vanessa mit 21 Stichen, sie war ein Zufallsopfer. Der damals 19-jährige W. wollte sie nach eigenen Angaben nur erschrecken, dann sei er in Panik geraten.

Bei dem Täter bestehe weiterhin eine hohe Wahrscheinlichkeit schwerster Gewalt- oder Sexualdelikte, sagte der Vorsitzende Richter in der mündlichen Urteilsbegründung. Der Verurteilte habe Gutachten zufolge große emotionale und soziale Defizite. Er fühle sich fremd in der realen Welt und ziehe sich daher in eine Phantasiewelt zurück.

Streit unter Gutachtern

Für seine Tat saß W. die Jugendhöchststrafe von zehn Jahren Haft ab. Das Gericht hielt den jungen Mann für zurückgeblieben, aber schuldfähig. Deshalb wurde er nicht in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Sicherungsverwahrung war für Jugendliche und Heranwachsende damals noch ausgeschlossen.

Im Februar dieses Jahres hatten die Verhandlungen über die Rückfallwahrscheinlichkeit von W. begonnen. Die Gutachter kamen dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen. Ralph-Michael Schulte bezifferte beispielsweise die Wahrscheinlichkeit, dass W. rückfällig werden könnte, auf "50 Prozent oder mehr, aber nicht wesentlich höher".

Im Gegensatz zu Schulte konnte sich der zweite Sachverständige, der Psychologe und Kriminologe Helmut Kury, auf persönliche Gespräche mit dem Täter berufen. Kury hielt eine Freilassung für möglich - unter strengen Auflagen. Ein dritter Gutachter war im Prozessverlauf von seinen Aufgaben entbunden worden, weil er seiner Aufgabe nach Ansicht des Gerichts nicht gewachsen war.

"Ich bin froh, dass es so ausgegangen ist"

Die Staatsanwaltschaft hatte die Anordnung einer nachträglichen Sicherungsverwahrung verlangt, weil sie W. weiter für "hochgradig gefährlich" hält. Die Verteidigung hatte dies als Willkürmaßnahme ohne rechtliche Grundlage abgelehnt.

Die Mutter der getöteten Vanessa reagierte erleichtert auf das Urteil: "Ich bin froh, dass es so ausgegangen ist." Nun habe W. die Möglichkeit, die Tat therapeutisch aufzuarbeiten. "Ich möchte, dass von ihm keine Gefahr ausgeht", sagte sie.

Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) sah in der Entscheidung des Gerichts ein "klares Signal für den Schutz der Opfer". Die Entscheidung sei vor allem für Vanessas Eltern sehr wichtig gewesen, die unermessliches Leid erlitten hätten.

Die nachträgliche Sicherungsverwahrung ist äußerst umstritten. Seit das Bundesverfassungsgericht im Mai 2011 alle Vorschriften zur Sicherungsverwahrung für grundgesetzwidrig erklärt hat, ist die Möglichkeit zudem stark eingeschränkt. Eine Neuregelung wird erst zum 1. Juni 2013 in Kraft treten.

aar/dapd/dpa

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