Urteil im Vergewaltigungsprozess Freispruch für Kachelmann

Im Zweifel für den Angeklagten: Jörg Kachelmann ist vom Vorwurf der Vergewaltigung seiner Ex-Freundin freigesprochen worden. Nach Auffassung des Landgerichts Mannheim reichten die Indizien nicht für eine Verurteilung aus.


Mannheim - 43 Tage wurde verhandelt, zehn Gutachter wurden gehört - und nach fast neun Monaten ist nun das Urteil gefallen: Das Landgericht Mannheim hat Jörg Kachelmann vom Vorwurf der Vergewaltigung seiner Ex-Freundin freigesprochen.

Die Richter sahen es als nicht erwiesen an, dass der 52-Jährige die Frau im Februar 2010 nach einem Beziehungsstreit mit einem Messer bedroht und vergewaltigt haben soll. Sie folgten mit dem Freispruch dem Antrag der Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre und drei Monate Haft für den Wettermoderator gefordert.

Der Vorsitzende Richter Michael Seidling sagte, das Urteil beruhe nicht darauf, dass die Kammer von der Unschuld Kachelmanns oder einer Falschbeschuldigung der Nebenklägerin überzeugt sei. Das Gericht habe aber begründete Zweifel an der Schuld des Angeklagten, der deshalb "in dubio pro reo", "im Zweifel für den Angeklagten", freizusprechen sei. Ein Urteil könne nicht aufgrund einer bloßen Verdachtslage gesprochen werden. Die Verdachtsmomente hätten sich zwar im Laufe der Verhandlung "abgeschwächt, aber nicht verflüchtigt".

Kachelmann werde für seine Zeit in Untersuchungshaft entschädigt, hieß es in dem Urteil. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse.

"Aufs Schäbigste behandelt"

Scharf kritisierte der Vorsitzende Richter Verteidiger Johann Schwenn. Dieser habe mehrfach in seinem Verhalten vor der Strafkammer Anstand und Respekt vermissen lassen. Auch nach dem Urteil blieb Schwenn seiner Linie treu: Kachelmann sei "aufs Schäbigste behandelt worden", sagte er vor TV-Reportern. Ein besseres Urteil sei von diesem Gericht nicht zu erwarten gewesen, die Kammer hätte den Angeklagten "zu gerne verurteilt". Kachelmann selbst äußerte sich nicht öffentlich.

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Spektakulärer Prozess: Der Fall Kachelmann
Pflichtverteidigerin Andrea Combé sagte, sie werde gemeinsam mit Schwenn und Kachelmann die weiteren Schritte beraten. Auf die Frage, ob es schwer gewesen sei, die Kammer von der Unschuld ihres Mandanten zu überzeugen, antwortete Combé: "Wenn man die Urteilsbegründung ernst nimmt, ist es der Kammer tatsächlich schwergefallen."

Kachelmann war im März 2010 am Frankfurter Flughafen festgenommen worden - unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Vancouver, wo er bei den Olympischen Winterspielen für die ARD gearbeitet hatte. Er saß anschließend 132 Tage lang in Untersuchungshaft. Der Fall erregte bundesweit großes Aufsehen.

Im Prozess wiesen Kachelmanns Verteidiger unter anderem auf Widersprüche in den Aussagen der Nebenklägerin hin. Die Frau hatte in ihren ersten Vernehmungen zum Teil falsche Angaben gemacht und diese erst später korrigiert. Auch die rechtsmedizinischen Gutachten ließen zum Teil den Schluss zu, dass sich die Frau ihre Verletzungen selbst zugefügt haben könnte.

Die Anklage hielt bis zum Schluss an ihrem Vorwurf gegen Kachelmann fest. Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge räumte in seinem Plädoyer ein, dass man alle Indizien auch anders werten könne. "Aber das ist das Wesen eines Indizienprozesses - dass es auf die Gesamtschau ankommt." Er hatte zudem angekündigt, im Falle eines Freispruchs höchstwahrscheinlich Revision einzulegen.

hut/AFP/dpa/dapd



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insgesamt 771 Beiträge
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Seite 1
Klapperschlange 31.05.2011
1. super
Zitat von sysopDer Indizienprozess vor der*fünften Großen Strafkammer dauerte fast neun Monate, nun hat das Landgericht Mannheim entschieden: Jörg Kachelmann wird vom Verdacht der Vergewaltigung seiner Ex-Freundin freigesprochen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,765833,00.html
War nichts anderes zu erwarten! Gerechtigkeit ist ihm widerfahren und das ist gut so. Hoffentlich klagt er jetzt seine Ex-Partnerin an wegen falscher Anschuldigung!
marcus tullius cicero 31.05.2011
2. ...
Ein Freuspruch aus Mangel an Beweisen ist immer hin ein Freispruch!
mistertengu 31.05.2011
3. Super
Freu mich für ihn. Schade um seine Karriere, aber ich denke er steht wieder auf. Und nebenbei würde ich die Ex verklagen.
Dunedin, 31.05.2011
4. Richtig so
Dieser gesamte Prozessverlauf war natürlich eine Farce und ein Schlag in´s Gesicht für das sog. deutsche Rechtssystem
Rodri 31.05.2011
5. ...
Mein Glaube an die Gerechtigkeit in Deutschland ist ein klein wenig wieder gewachsen. Hoffentlich verklagt er sie jetzt !!!
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