Urteil in New York "Nigger" ist auch unter Schwarzen ein Schimpfwort

Brandi Johnson wurde von ihrem Chef als "Nigger" bezeichnet - und hat dafür nun 280.000 Dollar bekommen. Das Wort sei eine Beleidigung, auch wenn es Schwarze untereinander benutzten, entschied ein Gericht in New York. Johnsons Chef fand, die Vokabel könne auch liebevoll gemeint sein.

Klägerin Johnson (l.), Anwältin: Kampf gegen "das beleidigendste Wort"
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Klägerin Johnson (l.), Anwältin: Kampf gegen "das beleidigendste Wort"


New York - Brandi Johnson hofft, dass die Gesellschaft etwas aus ihrem Fall lernt. Zum Beispiel, dass es keinen Unterschied machen sollte, wer eine Beleidigung ausspricht. Eine Jury hat Johnson 280.000 Dollar zugesprochen, weil ihr früherer Chef - ein Schwarzer - sie als "Nigger" bezeichnet hatte. Johnson ist ebenfalls schwarz.

Der Fall rückte ein soziales Konstrukt in den Fokus, das für manche nur schwer nachzuvollziehen sein mag: Wenn ein Weißer einen Schwarzen als "Nigger" bezeichnet, ist das eine üble Beleidigung - wenn aber ein Schwarzer das Wort benutzt, hat es nicht zwangsläufig einen beleidigenden Unterton, sondern kann sogar freundschaftlich gemeint sein.

Diese Doppelmoral gebe es schon zu lange, sagte Johnsons Anwältin Sharpe. Leute hätten versucht, das Wort harmlos erscheinen zu lassen. "Nigger" sei das beleidigendste Wort im Englischen. Johnson sagte, sie hoffe, "dass das Wort nicht toleriert wird, egal welcher Herkunft du bist".

Die Klägerin hatte im März 2012 eine Tirade ihres Chefs Rob Carmona aufgenommen. Er ist Gründer einer Agentur, die in East Harlem schwer in feste Stellen vermittelbare Menschen für die Arbeitswelt qualifiziert. In seinem Wutausbruch kritisierte Carmona seine Angestellte und eine weitere Kollegin wegen ihrer Kleidung bei der Arbeit und wegen unprofessionellen Verhaltens. Dabei bezeichnete er Johnson mehrmals als "Nigger". Die Aufnahme wurde vor Gericht vorgespielt.

"Nigger" soll liebevoll gemeint gewesen sein

Carmona argumentierte in der Verhandlung, "Nigger" habe viele Kontexte, wenn Schwarzen oder Latinos miteinander sprächen. Manchmal bedeute seine Verwendung Zorn, manchmal Zuneigung. Er habe Johnson sagen wollen, dass sie zu emotional sei, und habe das Wort liebevoll gemeint.

Als er Johnson als "Nigger" bezeichnet habe, sei seine Vorstellung von "tough love" zum Ausdruck gekommen - die Überzeugung, man helfe Menschen auf lange Sicht, indem man sie grob und fordernd behandelt. Das habe ihm auf seinem Weg vom Drogenabhängigen zum Agenturgründer geholfen.

"Ich komme aus einer anderen Zeit", sagte Carmona mit Tränen in den Augen, als er im Zeugenstand saß. Er müsse sich darüber klarwerden, wie er mit den Leuten kommuniziert, denen er helfen will.

"Jetzt auf einmal tut es dir leid?", fragte Johnson nach der Verhandlung. Sie bezweifelt, dass Carmona echte Reue zeigt - schließlich habe er sich eine Woche zuvor geweigert, sie im Gerichtssaal um Verzeihung zu bitten. "Es hätte ihm an dem Tag leid tun sollen, als er mich achtmal 'Nigger' nannte."

Carmonas Agentur ließ sich die Option offen, gegen die Entscheidung Rechtsmittel einzulegen.

ulz/AP

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