Urteil in Nîmes Französische Behörden tragen Mitschuld an Anschlag von Toulouse

Der Islamist Mohamed Merah tötete in Frankreich sieben Menschen. Ein Gericht hat nun entschieden: Auch der Staat ist dafür verantwortlich - die Behörden hatten die Überwachung des 23-Jährigen eingestellt.

Mohamed Merah
REUTERS/ France 2

Mohamed Merah


Ein Gericht hat dem französischen Staat eine Mitverantwortung an der Ermordung eines Soldaten vor vier Jahren zugesprochen. Weil die Behörden den islamistischen Attentäter Mohamed Merah von 2011 an nicht weiter überwachten ließen, hätten sie sich mitschuldig gemacht, entschied das Verwaltungsgericht von Nîmes.

Das Ende der Überwachung habe die Chancen verringert, das Attentat zu verhindern - und somit wesentlich zu dem Verbrechen beigetragen. Das Gericht begründete sein Urteil mit Merahs verdächtigem Verhalten, seinen Reisen nach Afghanistan und Pakistan und erkannte dem Staat einen Teil der Verantwortung zu. Die Polizeiaufsicht hatte zuvor bereits Fehler bei der Arbeit des französischen Inlandsgeheimdienstes DCRI angeprangert.

Der 23-jährige Merah hatte im März 2012 bei mehreren Attacken im Großraum Toulouse drei Soldaten sowie einen Lehrer und drei Schüler einer jüdischen Schule erschossen. Er gab an, dem Terrornetzwerk al-Qaida nahezustehen. Bei der Erstürmung seiner Wohnung wurde er erschossen.

In dem Prozess ging es nun um einen von zwei Soldaten, die Merah bei seiner zweiten Attacke in der Stadt Montauban erschossen hatte. Der Staat muss dem Urteil zufolge Schadensersatz an die Witwe und das Kind des Soldaten sowie dessen Schwiegereltern und an einen Opferfonds zahlen.

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apr/dpa

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