Mordaufklärung nach 16 Jahren Ehemann zu langer Haftstrafe verurteilt

Mit einem Kissen erstickte ein Mann aus Rheinbach seine Ehefrau, er vergrub sie im Wald und meldete sie als vermisst. 16 Jahre blieb der Physiotherapeut in Freiheit. Nun wurde er zu elf Jahren Haft verurteilt. Niedere Beweggründe konnte das Gericht aber nicht feststellen.

Polizei

Bonn - Mehr als 16 Jahre nach der Tat ist ein Mann aus Rheinbach bei Bonn wegen Totschlags zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Der 57-Jährige hatte gestanden, seine damalige Ehefrau getötet zu haben. Zuvor hatte der Physiotherapeut jahrelang die Familie seiner Ex-Frau und die Polizei über die Tat belogen und war so in Freiheit geblieben.

Nur durch mehrere Zufälle und die Arbeit eines Redakteurs konnte die Polizei den Mann überführen - 16 Jahre nachdem er seine Frau erstickt, im Wald vergraben und vermisst gemeldet hatte. Eine amtliche Anzeige über die bevorstehende Feststellung des Todes von Gertrud Ulmen landete statt in der Anzeigenabteilung auf dem Schreibtisch eines Lokalredakteurs. Der forschte dem Fall nach, den die Polizei längst für abgeschlossen erklärt hatte, und half schließlich, ihn aufzuklären.

"Ich habe etwas gemacht, was ich nicht hätte machen dürfen", sagte der Mann zu Prozessbeginn Mitte November. Das Paar war demnach über beiderseitige Affären in Streit geraten, schließlich hatte der Mann seiner Frau ein Kissen aufs Gesicht gedrückt und die Leiche anschließend in der Nähe von Bad Honnef versteckt. "Ich wollte eigentlich nur, dass Ruhe in diese Geschichte einkehrt", sagte der Mann in seinem Geständnis. Die Staatsanwaltschaft hatte zwölf Jahre Haft gefordert, die Verteidigung wollte die Strafe auf unter zehn Jahre begrenzen.

Letztlich kam dem Angeklagten zu Gute, dass das Gericht keine Merkmale für einen Mord feststellen konnte. Dazu müssen einem Täter niedere Beweggründe wie Mordlust oder Habgier nachgewiesen werden. Das Urteil kommt gerade noch rechtzeitig: 2016 wäre der Fall verjährt.

ade/dapd

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
brandtner 18.12.2012
1. Mord verjährt?
Ich war bis jetzt der Meinung, dass Mord nicht verjährt ... Irre ich mich oder wie ist der letzte Satz des Artikels zu verstehen?
koulekafe 18.12.2012
2. zu lasch, das Ganze?
Vielleicht bin ich ja komisch, aber der bringt seine Frau um, mit Absicht, vertuscht die Sache, und kommt nur 11 Jahre in den Knast - bei "guter Führung" 2/3 davon. Kommt mir wenig vor. Und nach 20 Jahren wäre das verjährt gewesen? Ist das nicht extrem schnell? Wieso verjährt Totschlag überhaupt? (Aber natürlich sollten wir nicht zur Rachejustiz übergehen, schon klar.)
RenRlp 18.12.2012
3. optional
Elf lächerliche Jahre für einen MORD. Unfassbar.
friedrich_eckard 18.12.2012
4.
Zitat von brandtnerIch war bis jetzt der Meinung, dass Mord nicht verjährt ... Irre ich mich oder wie ist der letzte Satz des Artikels zu verstehen?
Der Täter ist offenbar wegen Totschlags und nicht wegen Mordes verurteilt worden, was im Artikel nicht ausdrücklich gesagt wird, was sich aber daraus ergibt, dass "keine niedrigen Beweggründe festgestellt werden konnten", und dass andere Mordmerkmale wie Heimtücke offenbar auch nicht vorliegen: die Tat geschah ja im Streit. Für Totschlag gilt eine Verjährngsfrist von 20 Jahren.
kirjla 18.12.2012
5. Mord und Totschlag
Zitat von brandtnerIch war bis jetzt der Meinung, dass Mord nicht verjährt ... Irre ich mich oder wie ist der letzte Satz des Artikels zu verstehen?
Mord verjährt nicht, und im Artikel ist auch nicht von Mord die Rede, sondern von Totschlag.
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