Kachelmann verliert Schadensersatz-Prozess Ein Gericht macht es sich einfach

Wer muss für die Gutachten des Kachelmann-Prozesses aufkommen? Das Landgericht Frankfurt entschied: der Wettermoderator. Zwar wurde er im Strafprozess vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Doch vor dem Zivilgericht ist er nun gescheitert. Die Kammer lieferte eine schwache Begründung.

Moderator Kachelmann (Archivbild): Scheitern vor dem Zivilgericht
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Moderator Kachelmann (Archivbild): Scheitern vor dem Zivilgericht

Von , Frankfurt am Main


Es war keine mutige Entscheidung der 18. Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt am Main, mit der am Montagnachmittag die Schadensersatzklage des Wettermoderators Jörg Kachelmann gegen seine Ex-Geliebte Claudia D. abgewiesen wurde. Denn die Richter haben zwar nicht kurzen Prozess gemacht: Das am 31. Oktober 2012 begonnene Zivilverfahren "Kachelmann gegen D." hatte zu mehreren vergeblichen Güteterminen und einer informatorischen Anhörung beider Parteien geführt. Aber sie haben möglicherweise vorschnell und "grob fehlerhaft" geurteilt, wie die Kachelmann-Anwältin Ann Marie Welker nach der Verkündung sagte.

Denn die Frankfurter Richter folgten einfach der Argumentation ihrer Strafkammer-Kollegen aus Mannheim, die Kachelmann 2011 nach neun quälend langen Monaten zwar vom Vorwurf der Vergewaltigung freisprachen, ihn aber mit dem möglicherweise nie mehr aus der Welt zu schaffenden Verdacht entließen, doch ein Vergewaltiger zu sein.

Allerdings schlossen die Mannheimer auch nicht aus, dass D. Kachelmann, in dem sie elf Jahre lang den "Mann ihres Lebens" sah, zu Unrecht beschuldigte.

Neue Beweise für Kachelmanns Unschuld - etwa ein weiteres rechtsmedizinisches Gutachten zur Frage der Selbstverletzung oder auch eine neue Expertise zum angeblichen Tatmesser, das Kachelmann der Frau während der Vergewaltigung minutenlang an den Hals gehalten haben soll - habe das Gericht, so Rechtsanwältin Welker, mit keinem Wort gewürdigt. "Die Frau hat sich nicht einmal getraut, hier frei auszusagen", kritisierte Welker nach der Urteilsverkündung, "sondern sie las von einem vorgefertigten Skript ab. Eine "emotionale Stellungnahme" nach Ansicht des Gerichts.

Die Kammer kam zu dem Entschluss: Man sei nicht in der Lage zu entscheiden, wessen Aussage der Wahrheit entspreche.

Noch lange kein Ende der Causa Kachelmann in Sicht

Zwar habe die Frau "im Randbereich Falschaussagen gemacht und diese erst richtig gestellt, als der gegenteilige Nachweis erbracht wurde". Auch habe sie sich "eher ungewöhnlich" präsentiert. Doch auch der Kläger habe "nicht ganz überzeugende Ausführungen" gemacht und "in Randbereichen sein Talent an den Tag gelegt, Scheinwirklichkeiten zu erzeugen". Beide Parteien hätten "aus dem jeweiligen Blickwinkel heraus auch für sich nachvollziehbar" ihre Sicht dargelegt, so das Gericht in der mündlichen Urteilsbegründung.

Kachelmann klagt auf Ersatz jener Kosten für Gutachten - 13.352,69 Euro - die das Mannheimer Gericht seinerzeit für seine Entscheidung als nicht notwendig erachtet hatte. Reinhard Birkenstock, der erste Verteidiger des Wettermoderators, hatte diese Gutachten in Auftrag gegeben, um den Verdacht gegen seinen in U-Haft befindlichen Mandanten zu entkräften. Ohne diese Munition wäre Kachelmann vermutlich nicht vier Monate nach seiner Inhaftierung auf freien Fuß gesetzt worden.

"Um obsiegen zu können", so jetzt das Frankfurter Gericht, "hätte der Kläger beweisen müssen, dass seiner Festnahme eine wissentliche Falschaussage der Beklagten zugrunde lag." Eine Zivilkammer sei zwar nicht an die Erkenntnisse einer Strafkammer gebunden, könne sie aber auch nicht "unter den Tisch kehren".

Man habe nicht mit der erforderlichen Sicherheit feststellen können, ob Kachelmann oder seine Ex-Geliebte die Wahrheit oder die Unwahrheit gesagt hätten. "Es ist sogar möglich, dass die Frau eine falsche Aussage machte, aber subjektiv der Meinung war, die wahre Geschichte vor Gericht erzählt zu haben", so das Frankfurter Gericht.

Auch der Mannheimer Strafkammer sei der Nachweis einer "intentionalen Falschaussage", also einer Lüge, nicht gelungen. Angesichts dieser Möglichkeiten stehe nicht mit der gebotenen Sicherheit fest, "dass ausschließlich die Variante einer vorsätzlichen Falschaussage zutreffend sein kann".

Gras wächst also über die Causa Kachelmann noch immer nicht. Rechtsfrieden ist bisher nicht eingekehrt. Die Verteidigung wird die Frankfurter Entscheidung mit der Berufung zum Oberlandesgericht angreifen, das ist so gut wie sicher. Denn der verquaste Mannheimer Freispruch nagt an Kachelmann. Nicht minder vermutlich an seinem angeblichen Opfer.

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