US-Altenheim: 98-Jährige soll 100-Jährige getötet haben

Drama in einem US-Altenheim: Eine 100-Jährige wird im Bett getötet, der Verdacht fällt auf ihre 98-jährige Mitbewohnerin. Grund für den Streit zwischen den hochbetagten Damen war offenbar die Position eines Tischs im Zimmer.

100-jähriges Mordopfer Elizabeth Barrow: Streit mit der Mitbewohnerin um einen Tisch Zur Großansicht
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100-jähriges Mordopfer Elizabeth Barrow: Streit mit der Mitbewohnerin um einen Tisch

Dartmouth - Auf den ersten Blick sah es für die Polizei wie Selbstmord aus. Eine sehr alte Dame lag in ihrem Bett im Altenheim, eine Plastiktüte über dem Kopf. Aber die Gerichtsmediziner in Dartmouth im US-Bundesstaat Massachusetts wussten es besser - die 100-jährige Elizabeth Barrow war Opfer eines Verbrechens geworden.

Der Verdacht fiel schnell auf die Zimmernachbarin Laura L., ebenfalls hochbetagt, die sich immer wieder über Barrow beschwert hatte - und über die vielen Verwandten und Freunde, die zu Besuch kamen. Dem Sohn des Opfers, Scott Barrow, waren die "Drohungen und Belästigungen" bereits aufgefallen - und er hatte die Heimleitung sogar schon gebeten, die beiden alten Damen zu trennen. Doch seine Anfrage wurde abgelehnt; die beiden kämen bestens miteinander aus, beschied man Barrow.

Er wäre ihm wahrscheinlich sowieso nicht gelungen, seine Mutter zu bewegen, in ein anderes Zimmer oder ein anderes Heim umzuziehen. Sie hatte hier lange zusammen mit ihrem Ehemann gewohnt, bis dieser 2007 starb, und wollte partout nicht weg.

"Wir sind absolut am Boden zerstört", sagte Scott Barrow. An die Selbstmordthese hat er nicht einen Moment lang geglaubt: "Wir sind noch am Tag vor ihrem Tod mit ihr einkaufen gegangen, neue Wintersachen. Und danach haben wir in ihrem Lieblingsrestaurant gegessen", sagte er. Die 100-Jährige sei noch sehr aktiv gewesen und "voller Zuversicht" ihren Lebensabend noch ein Weilchen zu genießen.

Sie ahnte nicht, was in ihrer 98-jährigen Zimmernachbarin vorging, die vor einem Jahr eingezogen war. Und niemand hatte Elizabeth Barrow darauf aufmerksam gemacht, dass Laura L. seit vielen Jahren an Demenz, eingeschränkter Wahrnehmungsfähigkeit und Verfolgungswahn litt. "Sie ist ihrer Zimmernachbarin mit wachsender Feindseligkeit begegnet", erklärte der zuständige Staatsanwalt, "und hat versucht, von dem gemeinsamen Raum Besitz zu ergreifen."

Zuletzt drehte sich der Streit zwischen den beiden Damen um die Position eines Tischs. Barrow hatte sich dagegen gewehrt, dass ihre Mitbewohnerin das Möbel ans Fußende ihres Bettes stellte. Sie empfand das Möbelstück hinderlich auf dem direkten Weg zur Toilette.

Die mutmaßliche Täterin wurde nun von einem Richter in ein Krankenhaus eingewiesen, um feststellen zu lassen, ob sie überhaupt schuldfähig ist. Sollte ihr tatsächlich der Prozess gemacht werden, sagt der Staatsanwalt, wäre sie wohl die älteste Angeklagte, die sich jemals in den Staaten für ein Tötungsdelikt verantworten musste. Aber damit rechne er nicht.

oka/AP/Reuters

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