Drill, Schikane, Quälerei Zehn Jahre Haft für US-Armeeausbilder

Schläge, Tritte, sadistische Spielchen: Ein Ausbildungsleiter der US-Marineinfanterie ist wegen der Misshandlung muslimischer Rekruten zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden.

US-Armeeausbilder Joseph A. F. verlässt das Gericht in Camp Lejeune, North Carolina
AP

US-Armeeausbilder Joseph A. F. verlässt das Gericht in Camp Lejeune, North Carolina


Sie wurden getreten und geschlagen, als Terroristen beschimpft und in Wäschetrockner gezwängt: Ein Gericht in Camp Lejeune im US-Bundesstaat North Carolina einen Ausbildungsoffizier zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil er muslimische Rekruten misshandelt haben soll.

Der Unteroffizier Joseph F. wurde für schuldig befunden, in mehr als drei Dutzend Fällen Muslime während ihrer Grundausbildung auf dem Stützpunkt Parris Island in South Carolina extremem Drill unterworfen zu haben. Einer der Rekruten war nach der Schikane gestorben. Der Staatsanwaltschaft zufolge hatte F. den 20-jährigen Raheel Siddiqui über den Truppenplatz gescheucht und ihn dann ins Gesicht geschlagen, woraufhin der junge Mann sich zwölf Meter tief aus einem Fenster in den Tod gestürzt habe.

Der Tod des Rekruten im Jahr 2016 war intern als Suizid eingestuft worden. Die Familie des Verstorbenen hingegen sieht die Marineinfanterie in der Verantwortung: Der Ausbilder habe den jungen Mann auf den Balkon getrieben, von dessen Brüstung er dann hinabstürzte. Die Familie reichte im Oktober Klage ein und forderte 100 Millionen Dollar Schadenersatz.

Ein Militärgericht verfügte, dass der Ausbildungsleiter unehrenhaft aus der Armee entlassen wird. Das Strafmaß von zehn Jahren Haft geht noch über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus, die sieben Jahre Gefängnis gefordert hatte. Das Urteil gegen F. geht automatisch in Berufung - dies ist in der Militärjustiz bei hohen Haftstrafen und unehrenhaften Entlassungen so vorgeschrieben.

Insgesamt sollen sechs Ausbildungsleiter an der Misshandlung der Muslime beteiligt gewesen sein, der Verurteilte gilt als der Hauptschuldige. Zeugen berichteten, F. habe Rekruten aufgefordert, sich gegenseitig zu würgen. Er habe ihnen Schokoladenmilch verabreicht und sie dann so lange trainieren lassen, bis sie sich übergeben mussten.

Die Opfer sollen als "Terroristen" beschimpft worden sein. Zwei von ihnen wurden in Industrie-Wäschetrockner gezwungen. In einem Fall wurde das Gerät angeschaltet, als das Opfer sich weigerte, seinem Glauben abzuschwören.

ala/AFP



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