Hamburg - Der US-Sektenführer und Mörder Charles Manson bleibt weiter hinter Gittern - vermutlich für den Rest seines Lebens. Die Strafvollzugsbehörde von Kalifornien lehnte am Mittwoch ein Gnadengesuch des 77-Jährigen ab. Gleichzeitig teilte die Behörde mit, Manson könne erst in 15 Jahren erneut seine Begnadigung beantragen - er wäre dann 92.
Der Anführer der berüchtigten "Manson Family" hatte 1969 zusammen mit Anhängern sieben Menschen ermordet, darunter die hochschwangere Frau von Regisseur Roman Polanski, Sharon Tate. Manson sitzt dafür seit mehr als 40 Jahren in Haft.
Es ist bereits das zwölfte Mal, dass ein Gnadengesuch Mansons abgelehnt wurde. Die Tatsache, dass die Behörde den Zeitpunkt für ein mögliches neues Gnadengesuch auf das Jahr 2027 festgelegt habe zeige, dass die Beamten ihn für "ziemlich ungeeignet für eine Begnadigung" hielten, sagte ein Sprecher.
Die Manson-Bande wurde 1971 zunächst zum Tode verurteilt. Nach der Aussetzung der Todesstrafe in Kalifornien wurde ihre Strafe in lebenslänglich umgewandelt. Eine von Mansons Anhängerinnen, Leslie Van Houten, scheiterte 2010 mit ihrem 19. Gnadengesuch. Ein weiteres Mitglied der "Manson Family", Susan Atkins, starb 2009 im Gefängnis an Krebs.
Um Manson bildete sich ein bis heute andauernder Kult. Er gilt als Verkörperung des Bösen, sein Porträt findet sich immer wieder auf T-Shirts, die von Fans getragen werden. In den USA betreibt ein Mann unter dem Pseudonym Ed Gein einen Online-Shop, in dem er unter anderem ein Schreiben von Manson für 225 Dollar und ein aktuelles Foto des Mörders für 250 Dollar verkaufte.
2011 erschien unter dem Titel "Letzte Worte" eine Art Autobiografie des Verbrechers. Die israelische Journalistin Michal Welles, die Manson über fast 20 Jahre immer wieder im Corcoran State Prison in Kalifornien besucht hat, faste darin Fotos, Interviews, Gedichte und andere Texte des einstigen Folk-Musikers zusammen. Und sie gab Manson reichlich Raum, sich gegen die Anschuldigungen zu wehren, wegen derer er so lange im Gefängnis sitzt. So bestreitet in dem Buch unter anderem seine Schuld ("Die Morde habe ich niemals angeregt") und beschuldigt seinen Ankläger ("Meine Existenz, ihr habt sie gestohlen").
jbr/afp
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