US-Marshals Die Handschellen der Nation

Marshals sind in den USA so etwas wie die Dienstleister der Justiz: Sie vollstrecken Haftbefehle, schützen Richter und transportieren Gefangene. Der Fotograf Brian Finke hat sie über mehrere Jahre bei ihrer Arbeit begleitet.

Brian Finke

Die Bilder von Brian Finke zeigen US-Marshals in schusssicheren Westen, auf der Jagd nach flüchtigen Straftätern. Sie zeigen die martialisch wirkende Ausrüstung der Einsatzkräfte, ihr Arsenal an Waffen, Handschellen und Fußfesseln. Und sie zeigen Verbrecher, die überwältigt auf dem Bürgersteig liegen. Finke, Jahrgang 1976, ist ein preisgekrönter Fotograf. Gut vier Jahre lang dokumentierte er mit seiner Kamera den Alltag von US-Marshals, nun erscheint ein Bildband mit den besten Fotos.

"Ich war überrascht von ihrer Bereitschaft, mich an ihrer Welt teilhaben zu lassen", sagt Finke über die Marshals. Geholfen haben dürfte ihm vor allem ein persönlicher Kontakt: Das Projekt startete 2010, nachdem er Cameron Welch wiedergetroffen hatte, einen Freund aus Highschool-Zeiten in Houston und inzwischen US-Marshal.

Marshals gibt es in den USA schon seit 1789. Sie sollten Richter und Staatsanwälte an Bundesgerichten schützen - und so für einen reibungslosen Ablauf im Justizsystem sorgen. Seither seien viele weitere Aufgaben hinzugekommen, sagt Welch: Gefangenentransporte, Zeugenschutzprogramme und die Vollstreckung der von Bundesgerichten ausgestellten Haftbefehle. In dieser Abteilung, die flüchtige Verbrecher aufspüren soll, arbeitet Welch. Viele von Finkes Fotos entstanden bei ihren Einsätzen.

Verfolgungsjagd mit Tempo 200

"Mein erster Einsatz war eine Verfolgungsjagd mit einem Häftling, der aus dem Gefängnis in Huntsville geflohen war", sagt Welch. "Ich trug eine kugelsichere Weste und der Tacho zeigte fast 200 Kilometer pro Stunde an." Finke begleitete in den zurückliegenden Jahren unter anderem in New York, Houston, Las Vegas, Philadelphia und Los Angeles Marshals bei ihren Einsätzen.

"Mich überraschen immer wieder die einzigartigen Situationen, in die ich gerate. Es ist immer etwas Neues", sagte Finke im vergangen Jahr in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE. Die meisten seiner persönlichen Projekte dauerten ein paar Jahre, so der Fotograf. "So ein Zeitraum eignet sich gut dafür, besessen an einem bestimmten Thema zu arbeiten, es gründlich zu durchdringen, bevor man es leid wird und zu etwas Neuem weiterzieht."

Seine Bilder sind in vielen Zeitungen und Magazinen erschienen; sie wurden zudem bei Ausstellungen in den USA, Europa und Asien gezeigt. Er hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht. Eine Auswahl seiner Marshal-Bilder werden bald in einer Galerie in New York zu sehen sein. Die eindrucksvollsten Fotos finden Sie hier.

wit

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