Schüsse auf "Katrina"-Opfer Polizisten zu langen Haftstrafen verurteilt

Sie schossen in den Wirren nach Hurrikan "Katrina" auf Unbewaffnete: In New Orleans sind fünf ehemalige Polizisten zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden - weil sie zwei Menschen töteten und ihre Taten später mit großem Aufwand vertuschen wollten.

Danziger Bridge in New Orleans: Tödliche Schüsse von Polizisten auf Unbewaffnete
REUTERS

Danziger Bridge in New Orleans: Tödliche Schüsse von Polizisten auf Unbewaffnete


New Orleans - Die Stadt versank an jenen Tagen im Spätsommer 2005 im Wasser und im Chaos: "Katrina" hatte New Orleans am 29. August getroffen. Die Wucht des Hurrikans ließ die Dämme an mehreren Stellen brechen, zeitweise standen bis zu 80 Prozent des Stadtgebiets meterhoch unter Wasser. Mehr als 1500 Menschen kamen ums Leben, Zehntausende Häuser wurden zerstört. In der unübersichtlichen Lage kam es vielerorts zu kriminellen Handlungen - auch durch Polizisten.

Fünf ehemalige Mitglieder der Polizei New Orleans wurden nun zu Haftstrafen zwischen sechs und 65 Jahren verurteilt. Für ihre Beteiligung an Schüssen auf Unbewaffnete in den chaotischen Tagen nach "Katrina". Und für den Versuch, diese Taten zu vertuschen.

Vier der Verurteilten hatten am 4. September 2005 auf der Danziger Bridge sechs Menschen angeschossen, die vor den Wassermassen flohen. Dabei wurden ein 17-Jähriger sowie ein geistig behinderter 40-Jähriger getötet und vier weitere Menschen verletzt. Nach den Taten sollen die Polizisten laut Urteil Zeugenaussagen erfunden, Berichte gefälscht und den Opfern eine Waffe untergeschoben haben, um den Eindruck zu erwecken, der Schusswaffengebrauch sei provoziert worden.

Nachdem sie ihn in den Rücken geschossen hatten, sollen die Polizisten laut Anklage noch auf den am Boden liegenden 40-Jährigen eingetreten haben, bis er seinen Verletzungen erlag. Sein Bruder wurde anschließend festgenommen und wegen versuchter Tötung von Polizeibeamten angeklagt. Bei der Untersuchung der Vorfälle am selben Tag fanden die Ermittler allerdings am Tatort weder Waffen noch Patronenhülsen. Mehr als einen Monat später wurden 30 Hülsen entdeckt, die aber laut Justizministerium "eher von Polizisten als von Zivilisten abgefeuert wurden".

"Sie sind verantwortlich für die Alpträume, die meine Familie zerstört haben"

Die Anklage erfolgte nach einem Geständnis von fünf ehemaligen Polizisten aus New Orleans, die zugegeben hatten, bei der Vertuschung der Taten geholfen zu haben. Nun wurde auch der frühere Polizist verurteilt, der mit den Ermittlungen zu den Schüssen beauftragt worden war. Weil er die Verbrechen aber nicht aufklärte, sondern stattdessen den Vertuschungsplan entwickelt haben soll, muss er für sechs Jahre ins Gefängnis. Seine an den Schüssen beteiligten Kollegen erhielten Haftstrafen von 35, 38, 40 und 65 Jahren.

Richter Kurt Engelhardt kritisierte bei der Urteilsverkündung die Staatsanwaltschaft, da diese seiner Meinung nach zu nachsichtig mit den fünf Beamten war, die den Fall ins Rollen gebracht hatten. Diese fünf verbüßen nach ihrer Kooperation mit der Anklagebehörde derzeit Haftstrafen zwischen drei und acht Jahren. "Durch diese Deals waren dem Gericht die Hände gebunden, sie sind ein Affront gegen das Gericht und ein Bärendienst für die Gesellschaft", so Engelhardt.

Der Bruder des getöteten 40-Jährigen war zur Urteilsverkündung im Gericht erschienen. "Diese Polizisten haben meinen Bruder wie ein Tier erschossen", sagte er und fügte mit Blick auf die Angeklagten hinzu: "Sie sind verantwortlich für die Alpträume, die meine Familie zerstört haben."

Mit der Verkündung des Strafmaßes für die fünf Polizisten ist die juristische Aufarbeitung der Vorfälle noch nicht abgeschlossen. Einem weiteren Beamten, der an der Vertuschung der Straftaten beteiligt gewesen sein soll, wird voraussichtlich im Mai der Prozess gemacht.

wit/AP/Reuters



insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
herr_kowalski 05.04.2012
1. bliebe nur noch zu klären ob "zufällig"
Zitat von sysopREUTERSSie schossen in den Wirren nach Hurrikan "Katrina" auf Unbewaffnete: In New Orleans sind fünf ehemalige Polizisten zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden - weil sie zwei Menschen töteten und ihre Taten später mit großem Aufwand vertuschen wollten. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,825938,00.html
alle Opfer Schwarze waren und alle Polizisten Weiße ??
user124816 05.04.2012
2.
Zitat von sysopREUTERSSie schossen in den Wirren nach Hurrikan "Katrina" auf Unbewaffnete: In New Orleans sind fünf ehemalige Polizisten zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden - weil sie zwei Menschen töteten und ihre Taten später mit großem Aufwand vertuschen wollten. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,825938,00.html
wie wären die urteile wohl ausgefallen wenn die bürger die polizisten be- und erschossen hätten? Todesstrafe in den Vereinigten Staaten (http://de.wikipedia.org/wiki/Todesstrafe_in_den_Vereinigten_Staaten#Louisiana) soll nicht heißen das die haftstrafen so ok sind... 40+ jahre ist definitiv unmenschlich. wobei... mal schauen wann die polizisten *tatsächlich* entlassen werden. spon wird sicher berichten :>
frubi 05.04.2012
3. .
Zitat von sysopREUTERSSie schossen in den Wirren nach Hurrikan "Katrina" auf Unbewaffnete: In New Orleans sind fünf ehemalige Polizisten zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden - weil sie zwei Menschen töteten und ihre Taten später mit großem Aufwand vertuschen wollten. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,825938,00.html
"Richter Kurt Engelhardt kritisierte bei der Urteilsverkündung die Staatsanwaltschaft, da diese seiner Meinung nach zu nachsichtig mit den fünf Beamten waren, die den Fall ins Rollen gebracht hatten. Diese fünf verbüßen nach ihrer Kooperation mit der Anklagebehörde derzeit Haftstrafen zwischen drei und acht Jahren. "Durch diese Deals waren dem Gericht die Hände gebunden, sie sind ein Affront gegen das Gericht und ein Bärendienst für die Gesellschaft", so Engelhardt." Also ich persönliche sehe es lieber, wenn die 5 Vertuscher nur ein paar Jahre bekommen und die Haupttäter dafür zu Lebzeiten nicht mehr aus dem Gefägniss kommen. Dennoch wird sich im amerikanischen Polizeiwesen dadurch nicht viel ändern. Es gibt immer noch den massiven Kadergehorsam und ich verstehe einfach nicht, wieso die Polizei in Amerika selber nicht wesentlich stärker an der Aufklärung solcher Fälle interessiert ist.
geddup 05.04.2012
4. ...
Zitat von herr_kowalskialle Opfer Schwarze waren und alle Polizisten Weiße ??
google nach new orleans katrina cops
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